Hartwig Sander geht in den Ruhestand

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Hartwig Sander geht mit einem Lächeln. Die weitere Entwicklung des Unternehmens will er „gerne noch beobachten“ – aus der Ferne. ▪

LÜDENSCHEID ▪ Der langjähriger Technische Direktor der Lüdenscheider Stadtwerke, Hartwig Sander, geht in den Ruhestand.

Die Frage, was er aus seinem Büro auf den Weg in den Ruhestand mitnehme, lässt Hartwig Sander ratlos zurück. Nichts Privates, nichts Zweckfreies stört das durchgestylte, – nur von einigen in sattem Orange leuchtenden Gerbera unterbrochene – abgestufte Grau des Büros. Während andere nach Jahrzehnten im selben Unternehmen schon Wochen vorher anfangen Kartons zu packen, wird Hartwig Sander einfach aufstehen und gehen. Dann wird er den neuen Job antreten: Sein Leben ohne Termindruck zu managen.

Vor 20 Jahren steigt der heute 65-Jährige zum Technischen Direktor der Stadtwerke auf. Er begleitet die Entwicklung hin zum Unternehmen Sewag, nun Enervie. Er gestaltet spannende Unternehmensjahre mit und verändert den Betrieb nicht nur durch den Neubau an der Lennestraße nachhaltig, sonder auch durch die Zusammenlegung von Standorten und damit einhergehende bessere Kommunikation: „Das war ein Meilenstein; es hat sich eine ganz andere Kultur entwickelt.“

Das alles ward dem Jungen vom Gersbeul nicht in die Wiege gelegt. Er geht auf die Tinsberger Schule, dann zur „Penne“ und absolviert eine Lehre beim Vermessungsamt. 1966 heiratet der Student seine Erika aus Euskirchen, schließt 1967 sein Ingenieurstudium in Mainz ab und wird Vater von Martina. Mit der Geburt von Sohn Torsten drei Jahre später, nach Stationen im Vermessungsamt Lippstadt und in der Bundesanstalt für Gewässerkunde in Koblenz, gerät das Sauerland doch wieder ins Blickfeld. Die Familienzusammenführung mit den älter werdenden Eltern, die Aussicht auf Hausbau und einen reizvollen Job bei den Stadtwerken – das zieht zurück.

„Es hieß, wir brauchen eine Talsperre“, erinnert sich Sander an die Zeit, als noch die Angst vor einem Wassernotstand umging. Eine Talsperre musste er letztlich nicht bauen, dafür baute er die Stadtwerke gemeinsam mit dem Kaufmännischen Geschäftsführer Wolfgang Struwe um und aus, konstruierte die Basis mit für das, was ist. Inklusive des nüchternen, modernen und konsequenten Stils, der das Unternehmen an der Lennestraße seitdem prägt.

Als „glühender Verfechter der kommunalen Zusammenarbeit“ hat Sander über die Stadtgrenzen geschaut. Letztlich mit dem Erfolg, dass er nun auf eine der wenigen Kooperationen im Energiesektor zurückblicken kann, „die überhaupt gelungen sind“. „Ich bin manchmal erstaunt“, sagt er, der sich als neugierig, offen, vertrauensvoll und zu harmoniebedürftig charakterisiert, „dass ich das alles beruflich erreicht habe“. Und Spaß gemacht hat’s auch.

Dass in der „spannenden Aufbauarbeit“ der 70er Jahre auch manches überdimensioniert geplant und verwirklicht wurde, weiß man heute, konnte es damals aber nicht absehen. Die Branche konzentriert sich weiter. Äußeres Zeichen: „Wolfgang Struwe wird mein Büro mit nach Hagen nehmen.“ Die Möbel, nicht die Aufgaben. Wie die Vorstandsarbeit nach Sander geregelt wird, darüber müssen sich andere Gedanken machen.

Der Bald-Ruheständler, der am 31. März seinen letzten Arbeitstag hat, freut sich auf altvertrautes Neues. Das gemietete Ferienhaus auf Rügen wird den Reisefreudigen künftig häufiger sehen. Zum Windsurfen. Kochen und Lesen will er viel, aber auch Energie in andere Vorhaben stecken – das abzusehende Präsidentenjahr bei Rotary zum Beispiel oder das Projekt „Sprache verbindet“ für arabisch sprechende Jugendliche und Familien aus Kasachstan. Die Hotop-Riege fordert ihn, und sogar sich selbst gilt es noch zu erkunden: Im letzten Jahr hat der „evangelische Atheist“ bei einer Pilgerreise mit Benediktinern durch Israel eine Reise zu sich selbst begonnen. Dafür braucht er keinen Dienstwagen mehr. ▪ Susanne Kornau

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