Harter Job: Kneten, knoten, komisch sein

LÜDENSCHEID – „Ich kann 70 verschiedene Tiere, davon sehen 50 aus wie ein Hund.“ Ha – der war gar nicht schlecht! Bei einem Kindergeburtstag hätte Thomas Wachsmann bestimmt einen guten Lacher abgesahnt. Aber hier, im Rosencafé der Villa Reseda, bleibt es merkwürdig still. Mr. Tom müht sich, plappert drauflos, knetet und dreht an Luftballons herum, lächelt gegen trockenen Husten und teils argwöhnische Blicke an und lässt sich nichts anmerken. Nur langsam taut die Atmosphäre.

Das liegt auch an Laureen. Kinder gehen immer gut mit, scheint sich der Zauberer, Clown, Trickspieler und Moderator aus Dortmund zu denken. Und verwickelt das kleine Mädchen in seine verwirrenden Späße mit Schaumgummibällchen. Die anderen drei Kinder im Saal – zu Besuch bei Oma und Opa – hören auf, sich zu langweilen.

Die Altenpflegerinnen, die die Demenzgruppe zu Mr. Toms Vorstellung gebracht haben, halten sich im Hintergrund. Dezente Osterdeko kleckst Farbe auf die Tische, die alten Leute haben sich zum Teil fein angezogen.

Mr. Tom macht seinen Job. Sagt „Das finde ich aber schön hier“ und fordert „Applaus für Laureen!“. Fünf, sechs Händepaare klatschen, darunter das von Natalie Zwigun vom Sozialen Dienst der Villa Reseda. Die hübsche Frau strahlt, als ob sie hoffe, ihre gebrechlichen Schützlinge mit ihrer Fröhlichkeit anstecken zu können. Aber von Trick zu Trick steigen die alten Leutchen mehr ein, applaudieren lauter, Lachen ist vereinzelt zu hören – die Osterüberraschung der Heimleitung kommt nun doch an. Der 36-Jährige bleibt unermüdlich, arbeitet hart für sein Geld, weicht die anfängliche Lethargie auf, merkt, dass er lauter werden muss, um mehr Aufmerksamkeit zu bekommen.

Ein Motorrad, natürlich wieder ein Hund, eine Maus, ein Osterhase, ein Dinosaurier, eine Katze – der Künstler legt sich ins Zeug, pustet, formt, knotet und verschenkt seine Ballonkunstwerke, „die halten bis zu vier Tage, wenn man nicht allzu sehr darauf kaut“, und hat nun doch seinen Lacher, aber unfreiwillig. Ein Ballonschlauch platzt, der Schreck weicht der Schadenfreude. Aber der Beifall für seine Knet- und Knotleistung bleibt verhalten.

Also gut, ein Kartentrick! Immerhin ist Mr. Tom „Ihr Ansprechpartner für gute Unterhaltung“, so steht’s im Internet. „Wer spielt gerne Karten?“ Erika spielt gerne Karten. Und sucht sich den Herz-buben aus. Irre! Ausgerechnet der Herzbube liegt in Mr. Toms Stapel verkehrt herum. Erika staunt wortlos. Kleiner Applaus!

Ein Blick auf die Uhr. Mr. Tom muss noch ein Weilchen. Er klingt nun fröhlich-verzweifelt. „Wie ist denn die allgemeine Stimmung? Ich habe ja auch noch meinen Zauberkoffer dabei.“ Das Publikum bleibt stumm. Kunstpause. Kurze Absprache mit der Dame vom Sozialen Dienst. „Ich könnte meinen Zauberkoffer holen, der ist allerdings im Auto.“ Die Dame stimmt zu.

Mr. Tom darf raus. Noch ein Blick auf die Uhr. Er muss wieder rein. Die Arbeit ist noch nicht ganz getan. Ein tiefer Atemzug, dann die Mundwinkel hoch – und auf geht’s, zurück ins Rosencafé! Thomas Wachsmann ist ein echter Profi.Olaf Moos

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