Harte Strafe für Drogendealer

Lüdenscheid - _ Etwa drei Jahre Gefängnis für seinen Mandanten, damit hatte Strafverteidiger Dirk Löber vor dem Ende des Prozesses am Landgericht Kleve gerechnet, „vielleicht wird es auch mehr“. Die Staatsanwältin beantragte sechs Jahre wegen Rauschgifthandels und Einfuhr von Drogen gegen den 36-Jährigen. Die 2. große Strafkammer verurteilte den Autohändler aus Lüdenscheid am späten Nachmittag sogar zu einer Freiheitsstrafe von siebeneinhalb Jahren.

Von Olaf Moos

Sichtlich eingeschüchtert und mit Tränen in den Augen verfolgt der Angeklagte die Plädoyers von Dirk Löber und seiner Kollegin, Viktoria Nagel aus Mönchengladbach. Sie erneuert den Antrag, den Mann psychiatrisch begutachten zu lassen. Drogenkonsum und eine Spielsucht seien zusammengefallen. Der Antrag wird zurückgewiesen.

Die Verteidiger reagieren auf den unerwartet drastischen Antrag der Staatsanwältin, die angesichts einer Schmuggelmenge von zwölf Kilogramm Cannabis aus den Niederlanden einen minderschweren Fall ausgeschlossen hatte. Der Wirkstoffgehalt des Marihuanas habe das 80-fache der sogenannten „nicht geringen Menge“ erreicht, er selbst habe keinen Suchtdruck erlebt und den Stoff in kleinen Mengen verkauft. Einzig die Tatsache, dass er nicht vorbestraft ist und durch die Nennung eines Kundennamens um Aufklärung bemüht gewesen sei, spreche für den Angeklagten. Bei ihrem Antrag über sechs Jahre zuckt der Delinquent zusammen.

Löber nennt die Vorstellungen der Anklagevertreterin für „erheblich überzogen“ und verweist auf das Geständnis, das saubere Vorstrafenregister und die besondere Haftempfindlichkeit des Familienvaters. Zudem habe der Kronzeuge, ein inzwischen zu sechs Jahren verurteilter Holländer (68), wenige konkrete Erinnerungen schildern können.

In seinem letzten Wort vor der Urteilsverkündung beschreibt der 36-Jährige „meine Angst, meine Familie zu verlieren“ und beteuert, die ganze Sache ungeschehen machen zu wollen, „aber ich weiß doch nicht wie“. Schluchzend wendet er sich an den Vorsitzenden Richter Gerhard van Gemmeren und sagt: „Ich habe mein Leben zerstört und das meiner Frau und meiner Kinder“. Es sei wirklich schwer, „mein Herz tut so weh“.

Als van Gemmeren das Urteil spricht, ist der Angeklagte einem Zusammenbruch nahe, schüttelt verzweifelt den Kopf und vergräbt sein Gesicht in den Händen. Er sei nicht nur Kurier, sondern auch Rauschgifthändler, eine verminderte Schuldfähigkeit sei „weit und breit nicht zu erkennen“, heißt es. Es gebe keine Anhaltspunkte, dem Belastungszeugen nicht zu glauben.

Die Verteidiger kündigen Revision an. Der Vater des Angeklagten, extra aus Litauen angereist, verlässt gramgebeugt den Gerichtssaal.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare