Harte Konfliktverteidigung und die Wut des Staatsanwaltes

Lüdenscheid - Der Staatsanwalt sagt: „Mir platzt gleich die Hutschnur!“ Das liegt aber wohl nicht an dem Vorwurf gegen den 24-jährigen Fabrikarbeiter. Der soll – schlimm genug – des sexuellen Missbrauchs von Widerstandsunfähigen schuldig sein.

Es heißt, er habe seine 19-jährige Angebetete, als sie nach einer Party eingeschlafen war, ausgezogen und sich höchst unsittlich an ihr vergriffen. Dass den Ankläger die Geduld verlässt, liegt eher an der Verteidigungsstrategie von Rechtsanwältin Christina Dissmann. Sie hat ihren Mandanten vergattert, den Mund zu halten. „Er wird sich nicht einlassen.“ Und Fragen werde er auch nicht beantworten. Seine geistigen Fähigkeiten seien eingeschränkt. Also muss das mutmaßliche Opfer in den Zeugenstand. Die zierliche Büroangestellte wiederholt, was sie schon der Polizei berichtet hat. Und hat offenkundig Probleme damit. „Ich wurde wach, da waren seine Finger in mir.“ Sie wirft ihn aus der Wohnung. Kurze Zeit später, morgens um 4 Uhr, schreibt er ihr, dass es ihm leid tue. Sie erinnert sich an die Vorgeschichte: „Er wollte mehr, aber ich habe ihm immer wieder gesagt, ich will nicht.“ Doch als guter Freund sei er ihr „sehr wichtig“ gewesen. Rechtsanwältin Dissmann stellt acht Beweisanträge, mit denen sie die Glaubwürdigkeit der Belastungszeugin erschüttern will. Unter anderem will sie die Unrechtseinsicht ihres Mandanten zur Tatzeit als eingeschränkt attestieren lassen. Dissmanns Kollege Dominik Petereit, der die Nebenklage vertritt, und der Staatsanwalt meinen, dann müsse man aber auch über eine eventuelle Unterbringung des Mannes diskutieren.

Der Prozess wird am 19. Januar um 14 Uhr fortgesetzt.

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