Hansjürgen Wakup: Bekannt wie bunter Hund

Hansjürgen Wakup kennt die Rathmecke in- und auswendig und bedauert die allmähliche Schrumpfung des Stadtteils.

RATHMECKE - „Es gab hier einmal fünf Lebensmittelgeschäfte, zwei Metzgereien und drei Kneipen. Es gab so viele Kinder, dass die Hermann-Gmeiner-Schule mit einem Anbau erweitert werden musste. Das ist alles Vergangenheit und die Entwicklung lässt sich auch nicht mehr zurückdrehen“, sagt Hansjürgen Wakup und blickt von ganz oben, fast aus der Vogelperspektive, auf „seinen“ Stadtteil Rathmecke und weit darüber hinaus.

1964 bauten die Wakups hoch am Hang über der Schulstraße Am Ravenshagen. Die Häuser der Wohnstätten Mark an der Schulstraße standen längst. Sie wurden bereits 1938 gebaut. Auch der Rathmecker Weg, Krummenscheider Weg, Dammessiepen, die August-Adamy-Siedlung sowie die Schulstraße bis zum Markhahn waren schon da. 26 Jahre jung war Hansjürgen Wakup da und arbeitete nach einer Kaufmannslehre beim Lüdenscheider Autohaus, erst in der Buchhaltung, dann aber schnell im Verkauf. Er stieg schließlich in die Verkaufsleitung auf, später dann wurde er Prokurist in der Geschäftsleitung.

Der gebürtige Oberrahmeder engagierte sich frühzeitig ehrenamtlich: in ganz jungen Jahren im Posauenchor des CVJM, dann ab 1962 bei der Feuerwehr im Löschzug Oberrahemde, wo er Löschzugführer wurde und es zum stellvertretenden Stadtbrandmeister und Sprecher der Feuerwehr Lüdenscheid brachte.

Natürlich beteiligte sich Wakup an den Bemühungen, der Eingemeindung zu entgehen: „Wir haben an der Grenze zu Lüdenscheid in Altroggenrahmede dagegen protestiert und demonstriert mit rot-weiß-gestrichenen Dachlatten. Aber wir konnten sie nicht verhindern“, erinnert er sich. Um bei der Stadt den „Daumen in der Suppe zu halten“, ging er in die Politik. Nach einem ersten kurzen Zwischenspiel bei der SPD ab 1975 in der CDU, in der er heute stellvertretender Stadtverbandsvorsitzender ist. Auf dem 22. Listenplatz stand er damals, der 21. zog. „Ich war der erste auf der Reserveliste, und als Bürgermeisterkandidat Walter Hostert Landrat wurde, zog ich in den Rat.“ Drei Mal gewann er den Wahlkreis Rathmecke/Dickenberg direkt. „In den 70er Jahren war es eine Ehre, im Stadtrat zu sein, heute wird man belächelt und es wird schwierig Nachfolger zu finden.“

Nah an den Menschen war Hansjürgen Wakup durch seine Kontakte als Autoverkäufer und auch durch seinen Einsatz bei der Feuerwehr. 1957 war er zudem dem Rahmeder Schützenverein beigetreten. „Ich bin bekannt wie ein bunter Hund.“

Nicht immer stießen seine Vorschläge gleich auf ungeteilte Zustimmung: so, als er einen Anbau der Turnhalle vorschlug, um einen fehlenden Treffpunkt für Vereinsfeste zu schaffen oder als er einen Bürgersteig an der engen Schulstraße einrichten wollte. Ansonsten setzte der zweifache Familienvater immer auf möglichst unkomplizierte und schnelle Hilfe.

Er kennt die Probleme, die die Rathmecker bewegen, aber eine Lösung, wie der Wegzugstrend zu stoppen ist, hat er auch nicht. „Die Stadt schrumpft nur einmal von innen nach außen. Daher sehe ich keine Chancen mehr für Geschäfte oder Kneipen, die sich hier ansiedeln könnten. Um ,Lindys Lädchen’ hat es mir damals richtig leid getan. Aber viele ließen da anschreiben und haben nachher nicht mehr bezahlt. Da war irgendwann nichts mehr zu machen.“

Viele seien inzwischen in ein Alter gekommen, in dem sie ihre Häuser verkaufen wollten. „Wer noch Auto fahren kann, für den ist es ganz schön, hier zu wohnen. Aber wenn das nicht mehr geht, wird’s schwierig.“ Von der Terrasse aus haben die Wakups einen herrlichen Blick in die Natur – auf die Waldhügel, hinter denen Oberhunscheid liegt oder weit hoch zum Dickenberg, hinter dem die Autobahn verläuft. „Wie im Urlaub sei es hier, sagen viele.“ Aber die Idylle trügt dann doch ein wenig „Unser Stadtteil schrumpft. Das tut schon weh.“

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