Hans-Werner Wolff: „Vertrauen missbraucht“

Caritas-Geschäftsführer Hans-Werner Wolff.

LÜDENSCHEID ▪ Der fortgesetzte Vertrauensbruch habe dem Caritasverband Altena-Lüdenscheid keine andere Wahl gelassen, die Obdachlosenberater Thomas Becker und Ulrich Birkner fristlos zu kündigen, teilte Caritas-Direktor Hans-Werner Wolff am Montag in einer Stellungnahme mit. Wie berichtet, wirft Wolff, unterstützt vom Caritasrat, den beiden langjährigen Mitarbeitern vor, in drei Fällen Stundenzettel manipuliert zu haben.

Die fachliche Qualifikation und Sachkenntnis der beiden Mitarbeiter stehe für den Caritasverband außer Frage. Es gehe auch nicht darum, „alt gegen neu“ einzutauschen. „Wenn aber das Vertrauen fortgesetzt gebrochen wurde, eine vollkommene Uneinsichtigkeit mehrfach dokumentiert ist, dann geht nichts mehr“, erklärte Wolff. „Zu den in der Öffentlichkeit von Herrn Becker erhobenen unrichtigen Behauptungen müssen wir leider momentan schweigen. Das Gespräch wurde weder mit dem Vorsitzenden des Verbandes noch mit dem Vorsitzenden des Aufsichtsgremiums, dem Caritasrat, gesucht. Herr Becker hat, noch während der Anhörungsfrist mit der Mitarbeitervertretung, öffentlich arbeitsgerichtliche Schritte angekündigt. Im Rahmen dieses Verfahrens werden alle Fakten auf den Tisch kommen“, so Wolff weiter.

„Natürlich können unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei Todesfällen in der Familie, bei Unwetterwarnungen und anderen Anlässen kurzfristig frei bekommen“, sagt Wolff. Damit hätten die beiden ihre Fehlstunden, die kurz hintereinander im Dezember aufgetaucht waren, im Nachhinein begründet. Die Berater seien zu den Vorwürfen von der Caritas zuvor angehört worden, hätten sie aber nicht entkräften können. „Wiederholte wahrheitswidrige Dokumentation von ‚Arbeitszeiten‘ in Stundenzetteln ist für uns keine Lappalie. Das können wir uns nicht gefallen lassen“, betonte der Caritas-Chef.

Der Caritasrat, das Kontrollorgan des Vorstands, habe das Für und Wider einer Kündigung und anderer Maßnahmen besprochen und alle Argumente abgewägt, sehr wohl auch unter dem Aspekt, ein christlicher Verband der katholischen Kirche zu sein. „Wir haben uns das nicht leicht gemacht und das ist auch wahrlich keine wünschenswerte Situation“, betont Wolff. „Aber in einem Verband, in dem viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Außendienst arbeiten, muss ein Grundvertrauen zwischen Dienstgeber und Dienstnehmer bezüglich der Arbeitszeit vorhanden sein. Der Vertrauensmissbrauch im vorgenannten Fall ist irreparabel.“

Die Beratung für obdachlose Menschen und das Engagement gehe weiter. Sie werde von einer Verwaltungskraft und einem Anleiter aufrechterhalten. Drei Mitarbeiterinnen des örtlichen Caritasverbandes übernähmen als Team einzelne Beratungstage für Obdachlose und Menschen in besonderen Notlagen. „Sie stehen als Ansprechpartner für die Besucher des Tagesaufenthaltes zur Verfügung. Alle Mitarbeiterinnen sehen das Engagement für den Personenkreis als „Ur-Aufgabe“ der Caritas, erklärte Wolff. Sie würden zudem fachlich von zwei Obdachlosenberatungsstellen aus dem Ruhrgebiet unterstützt die Berater nach Lüdenscheid senden. „So bald wie möglich werden beide Stellen wiederbesetzt“, versicherte Wolff.

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