Zoohaus hat Goldhamster auf Lager

Hamsterkäufe - warum denn nicht?

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Seltener Ausflug für die Goldhamsterdame vor die Haustür des Zoogeschäfts Welke. Ob sie Ausschau nach Hamsterkäufern hält?

Lüdenscheid - Hamsterkäufe, das steht fest, sind in den vergangenen Wochen heftig in Verruf geraten. Nadia Schubert vom Zoohaus Welke an der Wilhelmstraße kann das beim besten Willen nicht verstehen: „Hamster sind doch total niedlich. Ich kann sie wirklich nur empfehlen! Wollen Sie gleich einen mitnehmen?“

Nein, lieber nicht. Der Kauf muss erst einmal gut überlegt werden. Es ist ja nicht wie bei zwölf Familienpackungen Klopapier, die man einfach im Regal verstaut und nach und nach ihrer finalen Bestimmung zuführt. So ein Hamster will gehegt und gepflegt werden. Und er ist auch nur auf den ersten Blick billig.

Denn eins ist klar: Wenn schon ein Hamster ins Haus kommt, dann soll er es auch gut bei uns haben. Geiz ist allenfalls für irgendwelche Elektromarkt-Unsympathen geil.

Zunächst einmal müssen wir aber wissen, mit wem wir es überhaupt zu tun haben. Der Syrische Goldhamster oder kurz Goldhamster (Mesocricetus auratus) ist nicht nur laut Wikipedia ein Säugetier aus der Unterfamilie der Hamster (Cricetinae). Er ist ein Einzelgänger, und – vielleicht ja, weil zuhause eh niemand wartet – extrem bewegungsfreudig. Deswegen ist er für die Freilufthaltung eher ungeeignet – es sei denn, Sie mauern ihn ein. 

Also  gehört Herr oder Frau Hamster in die Wohnung. Bei Welke sucht man sich zum Stückpreis von 16,95 Euro (was ließ ihn bloß an der 17-Euro-Hürde scheitern?) ein Exemplar aus. In der Woche vor Ostern standen zwei Männchen und ein Weibchen zur Auswahl.

Das klingt bis hierhin erschwinglich, doch jetzt geht der Spaß erst richtig los. Wer nicht darauf steht, hinterm Sofa und auf der Fernbedienung ständig auf Cricetinae-Köttel zu stoßen, der tut gut daran, ein Nagarium – ähnlich wie ein Terrarium, nur erfreulich schlangenfrei – anzuschaffen. Klar gibt’s hier Billiglösungen – sozusagen die Wellblechhütten unter den Nagarien. Aber für unseren neuen Hausgenossen soll’s schon was Besseres sein. Mit 139 Euro sind wir dabei.

Noch allerdings ist das Hamster-Appartement völlig leer. Zunächst einmal, berät uns Nadia Schubert, gehört Nistmaterial hinein: Kleintierstreu mit lieblichem Zitrusduft kostet gerade einmal 2,99 Euro, und Baumwollstreu zum Buddeln ist für 14,29 Euro im Vier-Kilo-Beutel zu haben.

Dazu kommt Badesand. Goldhamster halten sich nämlich nicht mit Wasser sauber, sondern bringen ihr Fell auf Hochglanz, indem sie sich im Sand wälzen, wie es ihre Urahnen schon in der Wüste Syriens wonnig praktizierten. 3,59 Euro für 1,5 Kilogramm sollte uns der Glanzhamster schon wert sein.

Jetzt machen wir’s dem kleinen Kerl (oder nehmen wir doch das Mädchen?) aber gemütlich. Ein zweigeschossiges Hamsterhaus schlägt mit 13,99 Euro zu Buche. Auf der Terrasse im Nagarium darf natürlich eine Hängematte nicht fehlen: 4,99 Euro. Eine ausgehöhlte Kokosnuss (8,99 Euro) rundet das Chill-Angebot ab; Fressnapf und Trinkflasche sind für je drei Euro zu haben.

Schöner Wohnen: Mit 139 Euro (wie im richtigen Leben natürlich ohne Einrichtung) schlägt das Nagarium zu Buche.

Lassen wir unsere Geldbörse gleich noch ein bisschen draußen. Goldhamster bewegen sich nun mal gern – und dazu passt wunderbar ein drolliges Klettergestell (11,89 Euro) ins Nagarium. Wir haben noch gar kein Laufrad? 16,99 Euro!

Für die Erstausstattung fehlt jetzt nur noch das Futter. Neben Hafer, Sonnenblumen- und Kürbiskernen enthält das Päckchen auch getrocknete Mehlwürmer. Hamster mögen das. Ein Pfund kostet 2,85 Euro und reicht, sagt Nadia Schubert, glatte zwei Wochen. So ein Hamstermagen ist eben nicht groß.

Wir gehen zur Kasse. Und sind auf einen Schlag um 225,57 Euro ärmer und um einen niedlichen, knopfäugigen Mitbewohner reicher. Ach, was soll der Geiz! Gönnen wir ihm auch noch einen Kuscheltunnel für 7,99 Euro, auch wenn er da nur mit sich selbst kuscheln kann.

Denn Goldhamster, wir erwähnten es bereits, vertragen keine Gesellschaft. Das bisschen Lebenszeit, das sie haben, verbringen sie offenbar lieber allein. Übrigens sind sie nachtaktiv, weswegen sie auch nur bedingt für Kinder geeignet sind. Nadia Schubert: „Außerdem werden diese Tiere leider wirklich nicht alt. Welches Kind soll schon alle zwei bis drei Jahre um seinen besten Freund trauern?“

Wir jedenfalls bleiben bei unserer Entscheidung und ordern gleich die nächsten Futter- und Streupakete, denn Welke bietet in Corona-Zeiten natürlich auch einen Lieferservice an.

Wem Goldhamster nun aber doch zu lebhaft und auch zu kurzlebig sind, dem sei zu einer Schildkröte geraten. Die ist allerdings längst nicht so flauschig im Fell.

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