Verzweiflung und Slapstick im Kulturhaus

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Dietmar Horcicka (rechts) und Frank Felicetti in „Die Geiselnahme“.

Lüdenscheid - Die Rache des kleinen Mannes hat manchmal mehrere Gesichter. Doch am Ende zeigt sich, wer in der Oberliga als Sieger mitspielt – und wer eben nicht.

Von Jutta Rudewig

So oder ähnlich könnte man die Inszenierung „Die Geiselnahme“ auf einen Nenner bringen. Am Donnerstagabend zeigte das Ensemble der Hamburger Kammerspiele im Kulturhaus eben jenes Stück aus der Feder des Satirikers, Liedermachers und Kabarettisten Hans Scheibner. Eine Komödie zwar, die aber gut auch als Satire, als Schwank und nach der Pause als Boulevardtheater, fast schon als Klamauk durchgeht.

Da sind die drei Rentner in der Waldhütte – Alfred mit permanentem Hexenschuss (Olaf Kreutzenbeck), Bernhard mit „Prostata“ (Klaus Peeck) und Manfred mit Parkinson (Detlef Heydorn). Sie eint der Verlust ihrer Ersparnisse, um die sie der windige Banker Mönchmeier (Dietmar Horcicka) gebracht hat. Ihn wollen sie nun entführen und ihr Geld zurück erpressen. Doch der Zuhälter Ronaldo (Frank Felicetti), hinter dessen Sonnenbrille zugegeben nur wenig Licht brennt, der aber ebenso von Mönchmeier um sein Geld betrogen wurde, und seine Vorzeige-Hure Alicia (Alexandra Kamp) kommen dem Trio zuvor.

Soweit der erste Teil, nachvollziehbar in allen Facetten zwischen Wut, Verzweiflung, Slapstick, Alterswehwehchen, einer wunderbaren Waldhaus-Kulisse und dem in einen Teppich eingerollten, gefesselten Banker. Der zweite Teil der Inszenierung geriet allerdings mehr und mehr zum Klamauk, inklusive der geläuterten Nutte, die unvermittelt im Donnerhall das Ende der Welt verkündete. Die gänzliche Bankenpleite folgte auf dem Fuße.

Dietmar Horcicka glänzte in seiner eher undankbaren Rolle als Banker, der über weite Strecken der Inszenierung mit einer Kapuze über dem Gesicht an einem Balken klebte. Spaß machte auch der unterbelichtete Lude. Insgesamt bot die satirische Wirtschaftskomödie ein Stück auf Höhe unserer Zeit, bei der man durchaus hier und da ins Nachdenken geriet.

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