Was halten Deutsch-Türken von Erdogans Reisewarnung?

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Der Präsident der Türkei, Recep Tayyip Erdoğan, wirft Deutschland eine zunehmende Diskriminierung türkischer Staatsbürger vor.

Lüdenscheid - Rassismus, Anfeindungen und Angriffe nach politischen Äußerungen: Die Liste an Vorwürfen ist lang, die die türkische Regierung den Deutschen in ihrer „Reisewarnung“ macht. Was halten die Deutsch-Türken aus der Region davon?

Das türkische Außenministerium veröffentlichte die Erklärung am Samstag, nachdem das Auswärtige Amt Deutschlands seine Reisehinweise für die Türkei bereits vergangenen Dienstag verschärft hatte. Auf türkischer Seite war darin von einer „zunehmenden Diskriminierung“ türkischer Staatsbürger die Rede, politische Diskussionen sollten besser vermieden werden.

Was sagen Deutsch-Türken aus der Region zur Reisewarnung des türkischen Präsidenten? „Ich fühl’ mich hier wohl“, meint Ertekin Öcal. Der 36-jährige Meinerzhagener ist nicht der Meinung, dass die Stimmung Deutsch-Türken gegenüber schlechter geworden sei. Die türkische Reisewarnung hält er als Reaktion auf die deutschen Reisehinweise für angemessen, er wünscht sich aber: „Nach 60 Jahren gemeinsamer Vergangenheit sollten die gegenseitigen Provokationen wieder aufhören.“

Auch Çigdem Yilmaz sagt, sie fühle sich hier „ziemlich wohl“, Probleme hätte sie nie gehabt. Zur türkischen Reisewarnung vertritt sie deshalb eine klare Position: „Ich halte sie für schwachsinnig.“ Auf Grund der Verhaftungen Deutscher in der Türkei findet die 42-Jährige auch die Warnungen der deutschen Regierung gerechtfertigt. „Ich weiß aber, dass nicht alle so denken wie ich.“

Tatsächlich gibt es auch unter den in Deutschland lebenden Türken viele, die den Kurs Erdogans unterstützen. Einer von ihnen ist E. Fidancilar. Seinen ganzen Namen möchte er nicht in der Zeitung lesen, er fürchtet ums Geschäft – und ist damit nicht der Einzige. „Es gibt Leute, die sagen: ‘Wenn du Erdogan-Anhänger bist, komme ich nicht mehr’, manche türkische Restaurants haben deshalb viele Kunden verloren.“ Er sagt, der Westen solle sich an eine starke Türkei gewöhnen, den Konfrontationskurs von Erdogan finde er deshalb gut. Trotz allem meint der Lüdenscheider, dass sich die Bevölkerungen untereinander noch gut verstehen.

Das sieht auch Sahin Dengiz so. „Das, was nicht stimmt, ist die Politik. Die Menschen kommen miteinander klar.“ Und das, sagt der 20-Jährige, sei doch das Wichtigste. - von Sophie Spelsberg

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