„Früher waren wir mal Gartenfreunde, heute sind wir Gartenfeinde“

Hakenkreuze für den Vorstand: Kleingärtner nach Begehung im Kampfmodus

+
Kleinkrieg im Kleingarten: Thomas Braun (links) und Alfred Florian ärgern sich über die Farb-Attacke auf ihre Parzellen.

Geselligkeit und Gemüse aus dem eigenem Beet – Kleingartenanlagen gelten gemeinhin als Wohlfühl-Oasen, als Gesundbrunnen für Körper und Geist. Von einem gesunden Miteinander kann im Kleingartenverein Hundebrink aber wohl keine Rede mehr sein.

  • In einem Kleingarten in Lüdenscheid gilt die Atmosphäre als "vergiftet".
  • Mitglieder des Vereinsvorstandes fanden jüngst Hakenkreuze auf ihren Parzellen.
  • Es könnte sich um einen Racheakt von anderen Schrebergärten auf der Anlage handeln.

Lüdenscheid – Die Stimmung im Kleingartenverein Hundebrink in Lüdenscheid scheint nicht gut zu sein - die Worte des 2. Vereinsvorsitzenden Thomas Braun lassen jedenfalls keine Zweifel daran: „Die Atmosphäre bei uns ist total vergiftet. Früher waren wir mal Gartenfreunde, heute sind wir Gartenfeinde.“ Vereinskassierer Alfred Florian steht daneben und nickt: „Genau so ist das – leider.“ Vorläufiger Höhepunkt der Konfrontation in der Kleingartenanlage: Vor wenigen Tagen fanden Braun und Florian Häuschen und Wege auf ihren eigenen Parzellen mit Hakenkreuzen beschmiert vor. Die Folge: Polizei-Aufmarsch zwischen Pflanzen, Anzeige gegen Unbekannt. Braun vermutet in der Farb-Attacke einen Racheakt von anderen Schrebergärtnern auf der Anlage: „Wir sollen wohl als Nazis und Rassisten verleumdet werden.“ 

Hintergrund der Dissonanzen laut Braun: die Einhaltung beziehungsweise Nichteinhaltung der für Kleingartenanlagen geltenden Gesetze. Die Ordnung im Schrebergarten – die regelt in Deutschland das Bundeskleingartengesetz. Und das besagt auch, dass die jeweiligen Gartenlauben auf den Parzellen inklusive Freisitz eine Fläche von 24 Quadratmetern nicht überschreiten dürfen. Das soll laut Braun verhindern, dass Gartenkolonien zu kleinen Wohnvierteln mutieren. Da liegt die Crux. 

Kontroll-Begehung: Diverse Mängel in Kleingartenanlage festgestellt

Denn bei einer ihrer regelmäßigen Kontroll-Begehungen der 15 Kleingartenanlagen in Lüdenscheid und den Nachbarstädten hatten Abgesandte des übergeordneten Kleingärtner-Bezirksverbandes Lüdenscheid im Juni diverse Mängel auch am Hundebrink entdeckt. Demnach waren viele Gartenhäuser zu großflächig ausgebaut, wiesen Wintergärten, Anbauten sowie verglaste Zusatzzimmer oder Veranden auf und überschritten so teils deutlich die 24-Quadratmeter-Richtlinie. Daher animierten die Bezirksfunktionäre um ihren Vorsitzenden Heinrich Pickl die Hundebrinker Kollegen dazu, „den Rückbau der unerlaubten Baulichkeiten zu veranlassen“. So steht es in einem Schreiben des Bezirksvorstandes. 

Der Hundebrinker Vorstand ging dann selbst auf Rundtour in seiner Kleingartenanlage und entdeckte Braun zufolge, dass 31 der insgesamt 62 Parzellen unzulässig stark bebaut seien. Brauns Erkenntnis: „Die Anbauten sehen ja durchaus schön aus. Sie sind aber eben verboten“. Also setzte der Vereinsvorstand einen Brief (liegt der Redaktion vor) auf und forderte die betroffenen Gartenpächter auf, die Mängel bis spätestens zum 31. Oktober diesen Jahres zu beseitigen, also die fraglichen Gebäudetrakte wieder zurückzubauen.“ 

Ansonsten würden „Rückbauklagen eingereicht und die Kosten an Sie weitergeben“. Dieses Vorstands-Vorgehen stieß indes nicht gerade auf Verständnis bei den Gescholtenen. Sagt Braun. Seine Worte: „Da wurde gedroht, den Vorstandsmitgliedern die Reifen zu zerstechen und uns ’eins in die Fresse zu hauen’. Sogar anonyme Morddrohungen gegen uns hat es gegeben.“ Schließlich kam es zu besagten Hakenkreuz-Schmierereien. Zu alldem muss man wissen: Einst galt die Kleingärtnerei als urdeutsche Beschäftigung. Das aber hat sich mittlerweile – wie die gesamte Gesellschaft – geändert. Heute können sich Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft und Nationalität für das Werkeln und Entspannen im Kleingarten begeistern. 

Ärger im Kleingarten: Bezirksvorsitzender Pickl pocht auf Durchsetzung der Regeln

Das wissen auch Thomas Braun und Alfred Florian: „Wir haben hier Angehörige vieler Bevölkerungsgruppen als Pächter. Deutsche, Türken, Libanesen oder Russen. Und das finden wir auch gut. Aber es müssen sich alle an die Satzung halten. Und wir sind keine Nazis, nur weil wir die Regeln durchsetzen wollen.“ Bezirksvorsitzender Heinrich Pickl weiß um die Situation am Hundebrink, kann aber zu den einzelnen Drohungen nichts sagen. 

Im LN-Gespräch verurteilte er indes die Hakenkreuz-Schmierereien: „Gewalt gegen Sachen ist abzulehnen. Die Hauswände und Wege können ja auch nichts dafür.“ Pickl erinnert daran, dass bei den regelmäßigen Kontrollgängen des Bezirksverbandes häufig Satzungs- und Gesetzesverstöße erkannt würden: „Das kommt fast in allen Kleingartenanlagen in Lüdenscheid und Umgebung vor. Und wir schreiben die jeweiligen Vereinsvorstände dann an, damit sie die Mängel beseitigen. Der Hundebrink ist da keine Ausnahme.“ An bestimmten Volksgruppen oder Nationalitäten will Pickl das Fehlverhalten aber nicht festmachen: „Meiner Erfahrung nach kann das überall und bei allen passieren.“ Gleichzeitig pocht Pickl auf die Durchsetzung der Regeln. Eine Duldung oder die Berufung auf ein Gewohnheitsrecht sei keine Option. 

Kleingärtner in Lüdenscheid im Kampfmodus: "Wir kämpfen weiter"

Seine Sicht: „Mit dem Eintritt in den Kleingartenverein haben schließlich alle Pächter die Satzung akzeptiert“, die wiederum auf dem Bundeskleingartengesetz fußt. Im Klartext: Die als illegal enttarnten Zubauten am Hundebrink sollen auf jeden Fall weg, notfalls eben über eine Klage vor Gericht. 

So sehen das auch Thomas Braun und Alfred Florian: „Wir kneifen den Schwanz nicht ein und kämpfen weiter für das Bundeskleingartengesetz.“ Das alles ist in dem Garten-Idyll nicht ohne Folgen geblieben. Gemeinsame Feiern – einst beliebter Brauch unter den Parzellen-Pächtern – gibt es am Hundebrink schon längst nicht mehr.

Garten-Pools bringen Kühle bei Hitze, aber manchmal auch Ärger. Nicht in jeder Kleingarten-Anlage sind sie gerne gesehen. So sieht es in Lüdenscheider Schrebergärten aus. Der Stadtverband der Gartenvereine in Dortmund will etwa Pools in Kleingartenanlagen verbieten. Der Ärger bei Betroffenen ist groß.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare