Gymnasien: Kampf um Sozialarbeit

BGL-Schulleiter Dieter Utsch

Lüdenscheid - „Ich kann das mit Worten nicht beschreiben, wie groß die Entlastung ist. Das ist Wahnsinn!“ Dieter Utsch, Schulleiter des Bergstadt-Gymnasiums, ist die Streichung der Schulsozialarbeiterstelle, die sich die drei Gymnasien der Stadt geteilt haben, unverständlich – „jetzt, wo die Arbeit läuft“. Sein Kollege vom Staberg, Zepp-Schulleiter Sebastian Wagemeyer, betont: „Wir geben uns nicht ganz kampflos geschlagen. Die Arbeit ist nicht ‘nebenbei’ von Klassenlehrern zu machen.“

Im Kern geht es darum, dass durch Bundesmittel befristete Stellen für Schulsozialarbeit geschaffen wurden, um Anforderungen des Bildungs- und Teilhabegesetzes zu erfüllen. In Lüdenscheid profitierten alle Schulformen in unterschiedlicher Weise davon; auch für die Gymnasien gab es eine Schulsozialarbeiterin. Für die nächsten drei Jahre allerdings, so sagt Bürgermeister Dieter Dzewas, gebe es eine Finanzierungslücke, weil nur noch 70 Prozent der Kosten gezahlt würden. Die Folge: Die Stelle für die Gymnasien soll gestrichen werden, eine entsprechende Vorlage kommt Ende November in den Schulausschuss.

Vorher wollen die Gymnasien nichts unversucht lassen, diese Stelle – und vor allem die, die sie innehatte – zu behalten. Die Argumente sind vielfältig, wie in offenen Briefen dargelegt, zuletzt vom Kollegium, der Elternpflegschaft und der Schülervertretung des BGL. Die Fachfrau habe eine Fülle von Aufgaben in der knappen Zeit – fünfzehn Stunden an zwei Tagen – bewältigt: Anträge gestellt, kurze Wege zu Jugendamt und Jugendhilfeeinrichtungen gewährleistet, nach der Zuweisung von Flüchtlingskindern geholfen. Utsch: „Die ist einfach klasse.“

Für den Bürgermeister liegt das Hauptproblem beim Bundesgesetzgeber, der grundsätzlich mehr Geld in Bildung investieren müsse. Wenn Lebensläufe schief gingen, finanziere der Staat schließlich hinterher auch den „Reparaturbetrieb“: „Diese Erkenntnis sollte sich parteiübergreifend durchsetzen.“ Den Gymnasien hilft das nicht, die Finanzierungslücke von rund 40 000 Euro ist jetzt da. Deshalb sagt Dieter Dzewas: „Ich bitte um Verständnis oder um alternative Finanzierungsvorschläge außerhalb von Steuererhöhungen.“

Darüber machen sich die Schulen gerade Gedanken. Es gebe, so Utsch, die Möglichkeit, eine Lehrerstelle zu „kapitalisieren“ und so Geld für eine Schulsozialarbeiterstelle zu „beschaffen“. Aber: Bei der Besetzung hat die Schule bislang kein Mitspracherecht, Arnsberg könnte also irgendwen zuweisen. Aber gerade die Kontinuität sei in diesem Fall wichtig, betont Dieter Utsch und hofft auf Fürsprache des Bürgermeisters in Arnsberg und darauf, dass dann dort ausnahmsweise eine individuelle Lösung ermöglicht werde. Eltern, Schüler, alle hätten Vertrauen aufgebaut, das hänge an der Person. Das bestätigt Sebastian Wagemeyer: „Sie kennt einfach alle Strukturen, und die Leute kennen sie.“ - sum

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