Gymnasiast bestraft: „Ganz ordentlich getankt“

Lüdenscheid - Angehender Abiturient, geboren in Omsk, gepflegtes Auftreten, ausgewählt höflich, zurückhaltend, schuldbewusst. So sitzt der Angeklagte neben Strafverteidiger Dirk Löber und redet nicht lange drumherum. „Ich fühlte mich fit, aber ich habe mich wohl falsch eingeschätzt.“ 1,4 Promille hatte er bei dem Unfall mit Vaters Auto intus.

Auf mindestens 5500 Euro beläuft sich der Blechschaden. Der Vorwurf lautet: fahrlässige Gefährdung des Straßenverkehrs. Sie tun das, was junge Leute so tun. Und treffen sich abends bei einem Kumpel auf der Kalve, es ist der 5. Oktober. Auf der Spielkonsole zocken sie zu dritt die Nacht durch, Fifa 15 ist angesagt.

„Dabei haben wir Bier und Wodka getrunken, bis 2 oder 3 Uhr nachts.“ Und sie hätten sich dann zu zweit auf ein Sofa gequetscht, um ein paar Stunden zu schlafen. „Gegen 7 Uhr bin ich aufgestanden und wollte nach Hause fahren.“

Strafrichter Peter Alte sucht nach einer Erklärung. „Sie sind ja ein sehr kräftiger Kerl, da stecken Sie das vielleicht anders weg als so manch anderer.“ Doch die Vermutung der Amtsanwältin – „da haben Sie ja ganz ordentlich getankt“ – offenbart das ganze Dilemma. Denn auf dem Karlsbader Weg ist Schluss mit lustig. „Ich hatte nur einen kurzen Sekundenschlaf.“ Das Auto des Anliegers am Straßenrand hat nach dem Aufprall nur noch Schrottwert.

Die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe berichtet, beim Angeklagten zu Hause habe es mächtig Ärger gegeben. „Er muss die Reparatur des Wagens selbst bezahlen. Das finde ich pädagogisch sehr ansprechend.“ Die juristische Seite des Falls ist ebenfalls recht schmerzhaft für den Angeklagten. Richter Alte verurteilt ihn zu 70 Sozialstunden und noch fünf Monaten Sperre der Fahrerlaubnis.

Von Olaf Moos

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