Wie die Betrüger vorgehen

"Guten Tag, Groß von der Sparkasse Lüdenscheid“ - Protokoll eines Betrug-Anrufs

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Im Namen der Sparkasse riefen die Betrüger an (Symbolbild). 

Lüdenscheid – „Guten Tag, Groß von der Sparkasse Lüdenscheid.“ Als Rentner Josef Wegmann (Name geändert) um 12.02 Uhr ans Telefon geht, denkt er an nichts Böses. So gehen Betrüger vor - Protokoll eines betrügerischen Anrufs.

Der Anrufer redet nicht lange drumherum: „Herr Wegmann, wir haben auf Anweisung der Staatsanwaltschaft Köln Ihr Konto gesperrt.“ Der 81-jährige Lüdenscheider ist fassungslos. 

Schockiert fragt in den Hörer „aber wieso?“. Der Mann am anderen Ende der Leitung wundert sich. Eigentlich müsse er doch eine Benachrichtigung der Staatsanwaltschaft erhalten haben. Als Wegmann das verneint, erklärt ihm der „Bank-Mitarbeiter“ den Grund für die Kontosperrung. 

Der Lüdenscheider habe 2016 am Telefon einen Vertrag mit einem Gewinnspielanbieter abgeschlossen. Weil er die monatlichen Beiträge nicht bezahlt habe, sei inzwischen ein Fehlbetrag von 2 000 Euro aufgelaufen, den das Gewinnspielunternehmen nun vollstrecken will. 

Bei der Staatsanwaltschaft seien Tonbandmitschnitte mit seiner Stimme vorgelegt worden, auf denen er dem Vertrag zustimmt. Josef Wegmann wird wütend – nicht auf den Anrufer, sondern auf die Staatsanwaltschaft, die sich zum Komplizen von Gewinnspiel-Betrügern mache.

„Verfluchte Bande, was die sich alles einfallen lassen. Die Staatsanwaltschaft muss doch wissen, was für Machenschaften es gibt“, schimpft er ins Telefon. „Herr Groß“ von der Sparkasse Lüdenscheid stimmt ihm da zu: „Die Betrüger werden immer raffinierter. Das ist schlimm heutzutage, man kann sich kaum dagegen schützen.“ 

Das mit dem gesperrten Konto aber könne Herr Wegmann ganz einfach aus der Welt schaffen. Er würde ihm den guten Rat geben, die offene Summe von 2000 Euro zu bezahlen. Denn wenn es zu einem Prozess käme, könne das schnell 10 000 Euro kosten. „Das Gewinnspielunternehmen ist mit allen Wassern gewaschen. Die haben Anwälte. Dagegen kommt man nicht an.“

Damit er sich den Vorgang bestätigen lässt, wolle er ihm jetzt die Nummer der Staatsanwaltschaft in Köln geben. Wegmann ist die Sache nicht ganz geheuer. Als Abonnent der Lüdenscheider Nachrichten liest er fast täglich von Betrugsmaschen am Telefon. 

Erst vor einigen Wochen hatte seine Frau einen Anruf von einem angeblichen Polizisten, der sie überreden wollte, ihre Wertsachen bei der Polizei „in Sicherheit“ zu bringen. Seine Frau legte auf. 

Falsche Enkel, falsche Polizisten – falsche Banker? Herr Wegmann, der seit 1973 Kunde der Sparkasse ist, fragt „Herr Groß“ direkt: „Wer garantiert mir denn, dass Sie nicht auch zu dieser Bande gehören?“ Eine Antwort bekommt er nicht mehr. Plötzlich hat der Anrufer die Verbindung gekappt. 

„Es gibt bei uns keinen Herr Groß“, sagt Thomas Meermann, Sprecher der Sparkasse Lüdenscheid. Er nennt die Betrugsmasche im Namen der Sparkasse eine „echt miese Tour“. Eine Kontosperrung würde die Sparkasse niemals aus heiterem Himmel am Telefon bekanntgeben, sondern immer schriftlich, sagt Meermann.  

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