Gutachten zu Kirmesunfall: Gondel-Gelenk war kaputt

Neun Verletzte mussten nach dem Kirmes-Unglück Ende mai auf der Hohen Steinert ärztlich versorgt werden.

LÜDENSCHEID - Ein defektes Gelenk zwischen dem Stahlträger und der aufgesetzten Gondel war die Ursache des Kirmesunfalls auf dem Karussell „Commander“, bei dem am Abend des 29. Mai auf der Hohen Steinert neun Menschen verletzt wurden. Das steht nach Angaben des ermittelnden Hagener Oberstaatsanwaltes Bernd Maas in dem Unfallgutachten, das jetzt vorliegt.

Und: „Es gibt Anhaltspunkte dafür, dass der Schaden an dem Gelenk vor dem Unfall hätte bemerkt werden können – oder müssen“, erklärte Maas auf LN-Anfrage weiter. Somit stelle sich die Frage: „Wer hat da nicht richtig hingeguckt?“

Um das herauszufinden, folgten jetzt mehrere Vernehmungen von Beschuldigten, etwa des Betreibers oder des zur Unfallzeit anwesenden Personals. Zu prüfen sei auch, wann und inwieweit Wartungsarbeiten an Firmen vergeben wurden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Vorwurfs der fahrlässigen Körperverletzung.

Der „Commander“, der nach dem Unglück gründlich untersucht wurde, lief noch auf der Steinert-Kirmes weiter – aus Gleichgewichtsgründen nur mit der Hälfte der Gondeln. Danach wurde er laut Maas komplett restauriert. Das Karussell ist heute wieder unterwegs auf vielen Festplätzen, so auch auf der letzten Cranger Kirmes.

Wie berichtet, hatte sich am Unglückstag gegen 21 Uhr eine mit zwei Fahrgästen besetzte Gondel beim Anfahren des „Commanders“ gelöst. Die Gondel rutschte von der geneigten Plattform gegen ein Absperrgitter. Bei dem Unfall erlitt ein 18-jähriger Lüdenscheider einen Schienbeinbruch, ein 24-Jähriger eine Platzwunde am Kopf und sieben weitere Kirmesbesucher leichtere Verletzungen. Die Verletzten kamen aus Lüdenscheid, Kierspe und Unna, die Rettungskräfte eilten aus der Bergstadt, aber auch aus Werdohl und Halver herbei.

Das Fahrgeschäft, ein Bremer Familienbetrieb, war seit Jahren Stammgast auf der Steinert-Kirmes. Angeblich war der „Commander“ noch im Winter generalüberholt und nach dem Aufbau durch die Bauaufsicht der Stadt abgenommen worden, die aber nur die Standfestigkeit jedes Karussells kontrolliert. Die jährliche TÜV-Prüfung sei im April erfolgt, hieß es damals.

Laut ersten Angaben der Polizei hatten Zeugen unmittelbar vor dem Unfall Knackgeräusche gehört. Der Fahrleiter habe noch versucht, das anfahrende Karussell mit dem Not-Aus-Knopf wieder zu stoppen, doch die Gondel hatte sich schon gelöst. Der am schwersten verletzte 18-Jährige war vor der heranrutschenden Gondel zur Seite gesprungen, sie traf ihn aber am Bein. Die Tochter des Betreibers, die an der Kasse saß, erlitt einen Schock.

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