Fünf Jahre Altersunterschied mit bedeutenden Folgen

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Gunter Hofmann sprach über die Beziehung zwischen Brandt und Schmidt.

Lüdenscheid - Nach dem Sonderparteitag der SPD im November 1983 gingen sie auseinander, ohne sich eines Blickes zu würdigen: Willy Brandt und Helmut Schmidt. Dieses Bild hat Journalist Gunter Hofmann an den Anfang seines Buches über die Beziehung dieser beiden prägenden Gestalten in der SPD und der Bundesrepublik gestellt. Mit diesem Bild begann Hofmann auch seinen Vortrag im Roten Saal des Kulturhauses.

Auf Einladung der Friedrich-Ebert-Stiftung in Kooperation mit der heimischen SPD-Bundestagsabgeordneten Petra Crone stellte Hofmann sein Buch „Willy Brandt und Helmut Schmidt. Geschichte einer schwierigen Freundschaft“ vor. Dabei beschränkte er sich nicht darauf, Passagen aus dem 2012 erschienen Werk vorzulesen. Vielmehr schilderte Hofmann seine Thesen über die Beziehung dieser beiden großen SPD-Politiker, die in ihren Persönlichkeiten unterschiedlicher kaum sein könnten – weitsichtig der eine (Brandt), auf Nummer sicher gehend der andere (Schmidt). Dennoch verband beide eine Art respektvoller Freundschaft.

Grundlage für seinen Eindruck sind Hofmanns persönliche Begegnungen mit beiden beziehungsweise ergänzend dazu Gespräche mit Angehörigen und Weggefährten des 1992 verstorbenen Brandt. Als junger Journalist erlebte Hofmann beide Kanzlerschaften. Als Chefkorrespondent der „Zeit“ hatte er es später mit Helmut Schmidt in der Rolle des Herausgebers zu tun.

Als grundlegend für die sehr unterschiedliche Selbstwahrnehmung und ihre fast gegensätzliche Art, Politik zu machen, hat Hofmann den Altersunterschied ausgemacht. Dabei seien weniger die fünf Jahre an sich, die Brandt älter war, entscheidend, sondern vielmehr die Geburtsjahre 1913 und 1918. In Folge der Machtergreifung der Nationalsozialisten habe der 19-jährige und bereits als Sozialdemokrat aktive Brandt die Gefahr erkannt und sei nach Dänemark geflohen. Der jüngere Schmidt dagegen, der aus einem unpolitischem Haushalt stammte, so Hofmann, sei einer von 19 Millionen Wehrmachtssoldaten geworden. Bis heute verteidige er sein Lebenskonstrukt, wonach er von den Verbrechen der Nationalsozialisten nichts mitbekommen habe. In der Politik war er später derjenige, der Risiken scheute, während Brandt, wie in der Ostpolitik, visionär gehandelt habe.

Petra Crone freute sich über mehr als 100 Zuhörer am zentralen Veranstaltungsort: „Es wäre sehr schade, wenn solche Veranstaltungen hier nicht mehr stattfinden könnten“, sagte sie andeutungsvoll über das Kulturhaus.

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