Gunkl macht Kabarett zur Philosophie-Vorlesung

Günther Paal als Gunkl am Abend im Kulturhaus.

LÜDENSCHEID - Günther Paal ist so ziemlich genau der Typ Mensch, den man auf keinen Fall beim gemütlichen Feierabendbier neben sich am Tresen stehen haben möchte. Als Kabarettist Gunkl stellte er am Mittwochabend in der Garderobenhalle des Kulturhauses sein Programm „Die großen Kränkungen der Menschheit“ vor.

Gefühlte zwei Milliarden Worte, die eher in eine philosophische Vorlesung über Erkenntnisgewinnung gepasst hätten, denn in ein Kabarett. Aber man war ja schließlich auch nicht in der Kneipe beim Feierabendbier.

Der österreichische Kabarettist hatte sich vorgenommen, wortgewaltig und mit stets erhobenem Zeigefinger zu philosophieren. Über die Erde, die vielleicht doch eine Scheibe ist. Wir obendrauf, und obendrauf ist immer gut. Wäre sie eine Kugel, würden wir an der Seite herunter poltern – was schlecht wäre. Seine Teilnahme am Wettstreit um die Lüsterklemme wurde zu einem Kabarett für Hochintelligenz, gespickt mit möglichst vielen Fremdworten, mit oder auch ohne österreichischem Dialekt. Er beleuchtete, welche Hirnhälfte wann wem was sagt und warum, und auch, dass das Hirn die Selbstbestimmung unterdrückt, weil es eine halbe Sekunde vorher weiß, wie man sich für was entscheidet. Es ging um Krokodilmütter, die – ihrem Instinkt folgend – den Nachwuchs nicht fressen (selbst den von Schildkröten nicht) und am Ende der Vorlesung unausweichlich auch um die Religion als eine der größten Kränkungen der Menschheit. Immerhin glaube man an einen jahrtausende alten Behauptungskatalog, gespickt mit Brutalitäten, vor allem gegen Frauen, die unter dem Deckmantel der Symbolik gerechtfertigt werden.

Gunkel, ein Kabarettist, der in seinem grünen Polohemd und einer roten Hose da steht, als habe man ihn mit Zimmermannsnägeln auf der Bühne angetackert. Ein Kabarettist mit der seltenen Angewohnheit, auf Publikums-Beiträge nicht einzugehen, sondern sie vielmehr zu unterbinden. Intellektueller Einsatz sei gefordert, kündigte Kulturhausleiter Stefan Weippert bei der Vorstellung Gunkls an. Bis zur Pause hielten alle, nach der Pause deutlich weniger Gäste durch. Es ist anzunehmen, dass die Dezimierung des Publikums nicht an den relativ kühlen Temperaturen am Abend im Kulturhaus lag. - rudi

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