Guido Quer sorgt für einen sicheren Schulweg

Guido Quer begleitet täglich die Schulkinder vom Dickenberg zur Grundschule nach Gevelndorf

LÜDENSCHEID ▪ Na, gut geschlafen“, fragt Guido Quer die zehnjährige Xenia. „Geht so“, antwortet sie noch etwas müde. Die Schülerin der Klasse 4a der Hermann-Gmeiner-Schule muss nach der Schließung der Schule seit Anfang des Schuljahres mit dem Bus vom Dickenberg nach Gevelndorf fahren. Damit sie und viele weitere ihrer Mitschüler dort sicher ankommen, springt auch der 50-Jährige freiwillig früh aus den Federn.

Schultag für Schultag fährt er von der Fontanestraße, wo er wohnt, bis zur Schulstraße und wartet dort ab kurz nach sieben auf die nach und nach eintrudelnden Grundschulkinder, die jetzt einen weitaus längeren und auch unsicheren Weg zur Schule haben. Der Werkzeugbauer, der krankheitsbedingt Frührentner ist, stellt sich mit seiner Warnweste auf die Schulstraße, wenn Kinder die gegenüberliegende Bushaltstelle erreichen wollen, und zwingt die Autos anzuhalten. Das ist auch nötigt, denn manche Verkehrsteilnehmer halten sich keineswegs an die erlaubten Tempo 30. „Aber wenn ich da stehe, dann halten die schön“, sagt er.

Im Gelenkbus der Linie 53, der um 7.41 Uhr hält, steht Guido Quer in der Mitte wie ein Fels in der Brandung. Im vorderen Teil müssen die Kinder sitzen, hinten können sie stehen. Wenn’s mal verkehrsbedingt ruckt, passt er gut auf: „Das ist kein Bierbauch, den Sie da sehen, das ist mein Kinder-Airback“, schmunzelt er und guckt auf seine Warnweste runter.

Vor der Schule hält der Bus kurz hinter der Fußgängerampel. Die Kinder und ihr zuverlässiger Begleiter steigen aus, betätigen den Ampel, Gudio Quer sichert den Übergang auf der Straße ab. Johanna Henrichs, Klassenlehrerin der 4a, ist auch „Busaufsicht“ der Schule und freut sich über dessen ehrenamtliches Engagement. „Seit Beginn des Schuljahres hat er nur einmal gefehlt und da hat er auch vorher angerufen“, lobt sie ihn. „Wir sind sehr froh, dass wir ihn haben“, sagt Schulleiter Volker Hebeler.

Gudio Quer und er kannten sich schon vorher. Beide sind Mitglieder bei TuRa Eggenscheid. „Ich fand es nicht gut, dass nach der Schließung der Schule kein extra MVG-Bus oder Begleiter für die Kinder zur Verfügung gestellt wurde. Deshalb habe ich Volker Hebeler angesprochen“, sagt Guido, wie ihn alle Kinder rufen dürfen. Wenn jemand was verloren hat im Bus oder, wie kürzlich, jemand seine Schülerfahrkarte vergessen hat, regelt Guido das. Er mahnt aber auch, wenn sie sich mal daneben benehmen.

Kurz vor acht sind die Kinder sicher in ihren Klassen angekommen. Guido Quer geht zur nah gelegenen Bäckerei und holt Brötchen: „Da kann ich das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden.“ Um 8.19 Uhr fährt er mit dem Bus zurück zum Dickenberg – mit frischen Brötchen und dem guten Gefühl, dass die ihm anvertrauten Kinder gerade in ihren Klassen wieder einige neue Dinge lernen. Am Mittwoch um 7.11 Uhr ist er wieder an der Schulstraße – hundertprozentig.

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