Günter Grass beschenkt seine Schwester mit Lesung

LÜDENSCHEID ▪ Das Zeichnen seines Namens in das Goldene Buch der Stadt Lüdenscheid kostete den in dieser Disziplin äußerst geübten Literaturnobelpreisträger Günter Grass am Samstagnachmittag nur wenige Sekunden.

Warum einem der größten Literaten unserer Republik diese Ehre erst jetzt zuteil wurde, das konnte sich keiner der Ehrengäste so wirklich erklären, ist doch Waltraud Grass, das „kleine Schwesterchen“, wie Bruder Günter sie gern nennt, seit vielen Jahren im Leben der Bergstadt fest verankert. Ihr war denn auch zu verdanken, dass Grass am Samstag wenige Stunden nach dem Eintrag ins Goldene Buch eine Etage tiefer in der Stadtbücherei eine Lesung in relativ kleinem Kreis gab, anschließend in der Städtischen Galerie die Ausstellung seiner Grafiken inspizierte und am Abend ausgiebig feierte. Denn Waltraud Grass war am Donnerstag 80 Jahre alt geworden und hatte sich den Besuch und die Lesung ihres Bruders zum Geburtstag gewünscht. „Den Wunsch kann man meinem Schwesterchen ja schließlich nicht abschlagen“, scherzte Grass. In der 40er- und 50er- Jahren sei er während seiner Düsseldorfer Zeit häufiger im Sauerland gewesen, habe hier in Kolpinghäusern übernachtet. Was ihn hinsichtlich seiner Lesungen besonders freue, seien die Autogrammstunden: „Da kommen ganz junge Leute mit einem Stapel meiner Bücher. Und wenn ich dann frage, woher sie die haben, sagen sie, die seien vom Großvater vererbt. Und das in unserer Wegwerfgesellschaft...“

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