Amtsgericht: Milde für junge Schläger

LÜDENSCHEID ▪ Es ist mal wieder ein Treffen zwischen alten Bekannten. Der Jugendrichter duzt sich durch die Reihe der Angeklagten. Sechs Vorstrafen der eine, fünf der andere, nur der Dritte im Bunde ist unvorbelastet.

Aber er war dabei. Er war Mitglied der Gruppe, die „Klatschen“ verteilte – und auch nicht davor zurückschreckte, jüngere und wehrlose Schüler einzukreisen und völlig grundlos ins Gesicht zu schlagen. Das nennt Staatsanwalt Matthias Plöger „besonders verwerflich“.

Strafrechtlich betrachtet: keine große Sache. Einfache Körperverletzung, gemeinschaftlich begangen. Und sie hat eine Vorgeschichte wie so viele Keilereien im Milieu jugendlicher Kleinkrimineller. „Einer hatte ein Problem mit einem aus Halver“, berichtet einer der Beschuldigten, 19 Jahre alt, obdachlos, arbeitslos. Und auf die Frage des Richters, wie es weiterging: „Na, Freunde helfen halt Freunden.“

Also fahren die „Freunde“ in Mannschaftsstärke mit dem Bus nach Halver – wie Hooligans. „Es war eine Schlägerei zwischen Lüdenscheid und Halver ausgemacht“, sagt der 20-Jährige. „Und als wir da ankamen, standen schon 30 Mann da, und dann ging es los.“ Aber weil eine Polizeistreife vorbeikam, hört es auch schnell wieder auf. Die Lüdenscheider Schläger steigen in den nächsten Bus, fahren nach Lüdenscheid, steigen hier in einen Zug und rollen nach Schalksmühle. „Wir wollten einen von uns nach Hause bringen.“ Am Bahnhof im Volmetal dann der nächste Aussetzer. Halbwüchsige Jungs und ein paar Mädels lümmeln am Bahnhof herum. Einer der Lüdenscheider sagt: „Guck mal, wie doof die gucken“, und es gibt die nächsten Ohrfeigen und Faustschläge – einfach so.

Was für das Trio spricht, ist ihr Geständnis. Da wird nichts beschönigt oder abgestritten. Elf geladene Zeugen dürfen wieder nach Hause. „War nicht so toll“, sagt der eine, „war ‘ne Scheiß-Aktion“ der andere. Der dritte, 16 Jahre jung, Realschüler mit schwieriger Kindheit, entschuldigt sich wenigstens. „Mir tut der ganze Tag leid, ich war mit den falschen Leuten unterwegs.“ Er sei da so „unvorbereitet reingeschlittert“.

Der bedauerliche Tag liegt schon länger als ein Jahr zurück. Danach haben die drei „die Füße still gehalten“, wie einer von ihnen sagt. Grund genug für das Jugendschöffengericht, Milde walten zu lassen, auch wenn Plöger sagt: „Das ist alles nicht ganz ohne.“ Das Verfahren gegen zwei der jungen Männer wird eingestellt. Einer muss 50 Sozialstunden leisten. Wie gesagt: keine große Sache.

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