Grundschulschließung: Ärger nach früher Veröffentlichung

LÜDENSCHEID - Schulausschussvorsitzender Jens Voß (SPD) ist empört darüber, dass erste Überlegungen zur Entwicklung der künftigen Grundschullandschaft an die Öffentlichkeit gelangt sind. „Es ist eine Riesensauerei gegenüber Schulleiter Berthold Lüke, nicht einmal abzuwarten, bis er sein Kollegium informiert hat.“

Von Martin Messy

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Wie berichtet, verlautete aus einer nicht-öffentlichen Sitzung von Fraktionsvertretern und Schulexperten, zu der Bürgermeister Dieter Dzewas am Dienstagaabend eingeladen hatte, dass zum Schuljahr 2013/14 eine Einrichtung des Grundschulverbundes Schöneck/Brügge geschlossen werden soll. Hintergrund ist einerseits das Anmeldeverhalten der Eltern und abnehmende Schülerzahlen, andererseits eine neue Landesrichtlinie, die ab dem neuen Schuljahr gilt. Danach gilt eine sogenannte „Klassenfrequenz-Richtzahl“ von 23 Kindern. Sie soll laut Landesregierung für eine gleichmäßigere und gerechtere Steuerung der Klassenbildung vor Ort sorgen. Dazu wird die gesamte Schülerzahl in den Eingangsklassen durch 23 geteilt. Unterm Strich hätte Lüdenscheid danach zwei Schulstandorte zu viel – zurzeit sind es 13, wovon vier in jeweils zwei Verbünden zusammengefasst sind: neben Schöneck/Brügge noch Kalve und Bierbaum.

Berthold Lüke erklärte am Mittwoch, er habe in der Sitzung den Status Quo erläutert, wonach sich 32 Eltern für den Standort Schöneck und 12 für Brügge entschieden hätten. „Daraus ergeben sich die entsprechenden Probleme einer zweizügigen Fortführung an den Schulen. Darauf habe ich hingewiesen. Die Politik ist jetzt gefordert, sich über das weitere Vorgehen Gedanken zu machen“, sagte der Schulleiter, hörbar sauer über die Veröffentlichung direkt nach der Sitzung. „Das hat zu Verunsicherung im Kollegium und auch bei den Eltern geführt und dient der Sache nicht.“ Dieser Meinung sind auch Ingo Diller (SPD), Jens Holzrichter (FDP) und Otto Bodenheimer (Grüne), deren Parteien bekanntlich als „Ampel“ die Mehrheit im Rat bilden, sowie CDU-Fraktionschef Oliver Fröhling. „Ich bin selbst von der Veröffentlichung in den LN überrascht worden. Ich muss doch erst einmal die Gelegenheit haben, darüber mit meiner Fraktion zu sprechen und die Entwicklung inhaltlich zu diskutieren. Vorher werde ich mich auch nicht dazu äußern.“

Er habe dazu natürlich eine persönliche Meinung, betonte Jens Holzrichter, verwies aber auch auf zunächst anstehende Gespräche in der Fraktion. „Es hat keinen Sinn, jetzt Hals über Kopf mit Stellungnahmen in die Öffentlichkeit zu gehen.“ Otto Bodenheimer erklärte, die frühe Veröffentlichung verunsichere Lehrer und Eltern. Außerdem habe man in der Sitzung Vertraulichkeit vereinbart. „Daran halte ich mich. Wir werden morgen in unserer Fraktionssitzung darüber sprechen.“

Auf die Vertraulichkeit beruft sich auch Bürgermeister Dieter Dzewas. Die Entwicklung zeige aber, dass der erst im letzten Jahr aktualisierte Schulentwicklungsplan bereits schon wieder Makulatur sei. „Man kann halt das Anmeldeverhalten der Eltern nicht planerisch erfassen, ebenso wenig wie Zu- und Wegzüge oder gesetzliche Änderungen. Wir stehen sicherlich in Zukunft vor noch weiteren Schulstandortentscheidungen. Allerdings überrascht mich die Dynamik der Entwicklung.“

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