Lernpakete werden vor Ort abgeholt

Grundschulen im Corona-Lockdown: Homeschooling für die jüngsten Schüler im MK

Distanzunterricht Astrid Schulte Pestalozzi Schule Corona
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Astrid Schulte, Lehrerin an der Pestalozzi-Schule, hat ihre vierte Klasse in drei Gruppen aufgeteilt und unterrichtet sie zeitweise online. Auch ihr ist es wichtig, in regelmäßigem Austausch mit ihren Schülern sowie den Eltern zu stehen – ob digital oder telefonisch.

Telefonieren, organisieren, Materialpakete packen: Auch für die Lehrkräfte an den Grundschulen begann der erste Tag nach den Weihnachtsferien anders als gewohnt.

Lüdenscheid – Mit dem Beschluss zum Lernen auf Distanz bis zum 31. Januar ging es auch für sie in den vergangenen Tagen darum, alles vorzubereiten, um die Grundschüler entsprechend zu versorgen sowie die technischen Voraussetzungen zu schaffen. Dabei wird deutlich: Viele Grundschulen fahren in den kommenden Wochen mehrgleisig, das heißt: Sie versorgen ihre Schützlinge zum einen mit Material in Form von Wochenplänen, zum anderen möchten sie mehrmals in der Woche online oder telefonisch Kontakt zu ihnen aufnehmen.

Pestalozzi-Schule

„Da wir schon damit gerechnet haben, konnten wir uns vorbereiten“, machte Barbara Vulic, Schulleiterin der Pestalozzi-Grundschule, deutlich. Bereits bis Montagmorgen hätten die Kolleginnen Päckchen mit Arbeitsmaterialien gepackt, welche die Kinder beziehungsweise Eltern auf dem Schulhof abholen konnten – unter Einhaltung der Abstandsregeln und mit Maske. „Dieses Material reicht für eine Woche und soll am Freitag wieder abgegeben werden. Dann wird es von den Lehrkräften kontrolliert.“ Gleichzeitig böten die Lehrkräfte Video-Unterricht an, mindestens jeden zweiten Tag, manchmal sogar täglich, erläutert Vulic das Vorhaben. Mit Kindern in Quarantäne hätte das in der Vergangenheit bereits gut funktioniert. Sie seien zum Unterricht zugeschaltet worden. Allerdings habe sich am Montagmorgen bereits gezeigt, dass die Unterrichtsplattform „Schoolfox“ überlastet gewesen sei. „Da werden wir beobachten müssen und schauen, ob wir vielleicht auch mal auf den Nachmittag ausweichen.“

Ob es letztlich gelingen werde, damit jedes Kind zu erreichen, werden erst die kommenden Tage zeigen. „Aber wir geben unser Bestes, halten Kontakt zu Kindern und Eltern und sind auch telefonisch zu erreichen“, verweist Vulic auch auf die Schulsozialarbeiterin sowie die Möglichkeit der Notbetreuung, nicht zuletzt für jene Kinder, die zu Hause beispielsweise kein Endgerät zur Verfügung haben. Derzeit hätten sich 20 Kinder, inklusive der Ganztagskinder, angemeldet – auch sie arbeiten vormittags mit ihren Arbeitsmaterialien und nehmen an den Video-Konferenzen teil. Wenn denn alles klappe und funktioniere, könne der Distanzunterricht gut funktionieren, ist Vulic optimistisch.

Knapper Schule

Auch an der Knapper Schule hatten die Grundschüler am Montagmorgen die Möglichkeit, zwischen 8 und 9 Uhr die Materialien für das Lernen auf Distanz coronakonform abzuholen. „Die Lehrer standen in dieser Zeit auf dem Schulhof bereit“, erklärte Schulleiterin Heike Weiland-Günther. Am Freitag werde das Material dann wieder eingesammelt und kontrolliert, bevor es dann am Montag ein neues Päckchen gebe. Eine Lernplattform gebe es bislang noch nicht, man hätte sich zuletzt jedoch schon auf eine Plattform verständigt. „Allerdings mangelt es noch an der schulischen Ausstattung.“ Zwar seien an den Schulen Wlan-Hotspots eingerichtet worden, doch Endgeräte für die Schüler gebe es noch nicht. „Dadurch hatten wir auch keine Gelegenheit, die Schüler darin einzuweisen.“ Auch sei dann noch die Frage, inwieweit die digitale Ausstattung bei den Eltern gegeben sei. Bis dahin bleibe es bei den klassischen Angeboten auf Papier, auf denen sich jedoch auch Links zu Lernvideos fänden.

Zudem sei es ein großes Anliegen der Lehrkräfte, den regelmäßigen Kontakt zu Kindern und Eltern zu halten, zu hören, wie es ihnen geht und für Fragen zur Verfügung zu stehen. Für die Notbetreuung hatten sich an der Knapper Schule pro Tag etwa zehn Kinder, hauptsächlich aus der Ganztagsbetreuung, angemeldet.

Westschule

Materialabholung, Videokonferenzen, Telefonate und Whatsapp-Nachrichten: Auch an der Westschule nutzt das Kollegium die unterschiedlichsten Wege, um mit ihren Grundschülern in Kontakt zu bleiben. „Bei uns werden montags die Materialpakete ausgegeben und erledigte Arbeitsblätter wieder eingesammelt“, machte Julia Langmesser, kommissarische Schulleiterin, deutlich. „Das hat den Vorteil, dass wir ganz viele Kinder einmal in der Woche sehen.“ Zur Abholung gebe es feste Zeiten und zwei Eingänge, damit möglichst wenig Kontakte entstehen. Vereinzelte Familien, die das Material nicht abholen, bekämen dies per Post zugestellt. Und: „Kinder, die wir nicht zu sehen bekommen, telefonieren wir einmal in der Woche ab. Dadurch kommen wir mit ihnen ins Gespräch und sie haben die Möglichkeit, Fragen zu stellen.“

Und: Auch per E-Mail sowie per Whatsapp über ein Schulhandy sei die Schule jederzeit zu erreichen. All dies zusammen sei ein System, das die Eltern kennen und das sich in der Vergangenheit bereits bewährt habe. Eine Lernplattform sei noch nicht eingerichtet worden, dazu fehle es an der technischen und personellen Ausstattung und Unterstützung. Zudem gebe es oftmals andere Prioritäten, verweist Langmesser auf sprachliche Barrieren oder unterschiedliche Lernstände. „Das ist auch für die Kinder eine ganz schwere Zeit, die man dann im Unterricht aufarbeiten muss.“ Aber: Einige Lehrer böten dennoch über ihre eigenen Geräte Videokonferenzen an. Grundsätzlich ist Julia Langmesser überzeugt, dass der Distanzunterricht in dieser Form funktionieren kann – auch wenn nicht alle Schüler gleichermaßen erreicht werden. „Aber die Kollegen, einschließlich der OGS, sind sehr engagiert und bemüht, um alle Kinder mitzunehmen. Und derzeit bin ich auch sehr positiv gestimmt.“

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