Bärbel Höhn in Lüdenscheid: Grünes „Recht auf Sonntagsbraten“

Lüdenscheid - Auf dem Weg von den einst von ihr initiierten Lippeauen zum grünen Grillen in Menden hatte Bärbel Höhn ein Stündchen Zeit für Lüdenscheid. Zeit, um mit einem Metzger über Billigfleisch zu diskutieren und mit einem Rentner übers Arbeiten bis 67.

„Ich glaube, ich ziehe meine Energie auch aus diesen Veranstaltungen“, sagte die Spitzenpolitikerin aus dem Bund über die letzten anstrengenden Wahlkampfwochen, in denen sie 75 Termine absolviert.

Auf dem Sternplatz wurde sie begrüßt vom Wahlkampfwagenteam von Bündnis 90/Die Grünen, das sich über die prominente Unterstützung freute. Und sie wurde erkannt, die 61-jährige ehemalige NRW-Umweltministerin, die heute stellvertretende Vorsitzende der Bundestagsfraktion ihrer Partei ist. Schnell füllte sich der Platz ums Stehtischchen, an dem Traubenzucker für die Energiewende warb und Stichworte vom fleischlosen Tag, von Windkraft, Billigfleisch und umweltfreundlicher Fortbewegung schnell die Runde machten. Bärbel Höhn gab das Gelegenheit, mit dem Bürger ins Gespräch zu kommen. „All diese Punkte stehen zur Diskussion“, sagte sie. „Nur es ändert sich nichts“, sagte der Bürger.

„Wir sind alle nicht für Verbote bei den Grünen“, betonte sie beispielsweise. „Wir haben ein Recht auf Sonntagsbraten, auf gutes Fleisch.“ Massentierhaltung mit allen Begleiterscheinungen sei ein zu hoher Preis für billige Schnitzel. „Der Verbraucher ist nicht bereit, mehr Geld fürs Fleisch zu bezahlen“, wandte der Metzger im Publikum ein. Antibiotika, gestresste, eingepferchte Tiere, mangelhafte Tierhaltung – „Den Leuten ist das egal, nur billig muss es sein“, stellte der Fachmann den meisten Kunden kein gutes Zeugnis aus. Genau deshalb wird Bärbel Höhn nicht müde, den Wandel zu wollen. Überzeugungsarbeit zu leisten. Durchs Land zu fahren und grüne Politik zu erklären, die an den Wurzeln ansetzen will. Es sei doch viel wichtiger, sagt sie zum Beispiel, dass Kinder wieder lernten zu kochen anstatt automatisch zu Fertiggerichten zu greifen.

Neue Stadt, die gleichen Themen: Nein, das ermüde sie nicht, sagte der Politprofi. Nie aufzugeben, sei ihre Devise: „Da ist ein Defizit, da kämpfe ich“, ihr Motto. Damit sie auch weiß wofür, nimmt sie sich – zwischen Wahlkampf und Japan-Reisen, wo sie in letzter Zeit öfter ihre Vorstellungen von der Energiewende diskutiert – Zeit für ihre Enkel. Mit denen hat sie am Wochenende nach der Fledermausnacht auf dem Rasen gezeltet und Feuersalamander gesehen. Das ist ihre Basis. Seit 1978 wohnt sie in Oberhausen, „zwischen Rathaus und Bahnhof“. Im Wahlkampf setzt sie statt auf Schiene auf einen Erdgas-Toyota und kommt so klimaneutral zu jedem noch so abgelegenen Bauernhof. Über Autobahnen, die sie nicht ausgebaut sehen will, sondern lieber saniert: „Neubaupläne können wir nicht bezahlen.“ In Städte wie Lüdenscheid, die ihr in Erinnerung bleiben als „ein bisschen schnuckelig“, mit vielen Straßencafés: „Man hat in jeder Stadt schöne Ecken.“ - sum

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