Grünes Licht für Windräder in der Region

So beschaulich ein Windrad auch wirken kann: Es hierorts in die Landschaft zu setzen, ist planungsrechtlich schwierig und erfordert bei den Bürgern viel Überzeugungsarbeit. Diese Erfahrungen macht derzeit die Enervie AG, die verstärkt auf regenerative Energien setzt.

Lüdenscheid - Grünes Licht für Windenergie gab der Rat der Stadt Lüdenscheid nach LN-Informationen im nichtöffentlichen Teil seiner jüngsten Sitzung. Die Enervie AG, zu deren kommunalen Anteilseignern die Bergstadt gehört, plant, wie es hieß, Windkraft-Projekte in einer Größenordnung von 50 Megawatt – in der heimischen Region ebenso wie außerhalb.

Dafür muss sich das Unternehmen das Plazet aller Städte einholen, die Anteile besitzen.

Auf Nachfrage der LN erläuterte Enervie-Sprecher Uwe Reuter gestern in Hagen die Strategie des Versorgers, der wie viele andere jetzt verstärkt auf regenerative Energien setzt: „Wir wollen bis zum Jahr 2020 mit Windenergie 240 Megawatt Strom erzeugen.“ Dafür sollen 350 Millionen Euro investiert werden. Um das Ziel innerhalb von acht Jahren zu erreichen, fahre die Enervie AG zweigleisig. „Zum einen wollen wir im heimischen Raum investieren, um Aufträge und Wertschöpfung in unserer Region zu behalten.“ Zugleich aber halte Enervie auch Ausschau nach lohnenden Projekten in der ganzen Republik. Beide Wege gelten grundsätzlich auch für die 50 Megawatt, die jetzt anstehen. Eine heutige Anlage erzeugt im Schnitt 2,5 Megawatt.

Reuter räumte indes ein, dass Enervie auf den beiden Gleisen unterschiedlich schnell vorankommt. Denn natürlich sind bundesweit mehr geeignete Flächen verfügbar. So baut das Unternehmen jetzt schon eine Anlage in der Eifel und einen Windpark mit sechs Rädern im Hunsrück – Gesamtinvest: 35 Millionen Euro.

Weitaus zäher gestalte sich die Planung für die heimische Region, obwohl Enervie „lieber hier investieren würde“, wie Reuter betonte. Die von den Kommunen hier ausgewiesenen Konzentrations- und Vorrangflächen seien entweder schon belegt oder untauglich, weil es dort schlicht und ergreifend nicht windig genug ist. Deshalb habe Enervie den Städten jetzt über ein „Geo-Informationssystem“ windhöffige, also ergiebige Flächen für die Windernte aufgezeigt.

Um die aber für Windräder nutzen zu dürfen, müssten erst Flächennutzungspläne geändert werden – in meist langwierigen Verfahren. Hinzu kommt, dass Enervie bei der Auswahl auf Konsens bedacht sei, also Ratsvertreter und Bürger vom Sinn der jeweiligen Anlage überzeugen muss. „Das versuchen wir zurzeit in vielen Städten in Versammlungen oder Ausschusssitzungen“, beschrieb Uwe Reuter.

Keine wirkliche Hilfe biete bei alledem der neue Windkrafterlass des Landes. Denn er habe die Planung von Windrädern in NRW keineswegs grundsätzlich erleichtert, wie es einmal angekündigt wurde. Stattdessen habe Düsseldorf nur die schwierigen Teile der Planung auf die Städte übertragen, „die jetzt die Willensbildung schaffen müssen“. Hoffnung hege man noch mit Blick auf den „Wald-Erlass“, der in Nordrhein-Westfalen den bisher verbotenen Bau von Anlagen an Wäldern ermöglichen soll. „Aber da wissen wir noch nicht genau, wie der aussieht“, sagte Reuter.

Zu den Flächen, die hierorts in Frage kommen, zählen etwa die Bereiche entlang der Sauerlandlinie. Festgelegt seien die Standorte für die 50 Megawatt aber noch nicht.

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