Pfarrer Branko Simovic geht in den Ruhestand

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Lüdenscheid - Seit 22 Jahren ist Branko Simovic – zum zweiten Mal – Pfarrer der kroatischkatholischen Gemeinde Ennepetal-Lüdenscheid. Am Sonntag wird der 75-jährige in den Ruhestand verabschiedet.

Gleichzeitig feiert die Gemeinde ihr 45- jähriges Bestehen, und auch das ist eng mit Branko Simovic verbunden. Er hat die Gemeinde, deren Fläche mehr als die Hälfte des Bistums Essen umfasst, 1970 gegründet. Bereits kurz nach Simovic‘ Ankunft in Lüdenscheid im Sommer 1970 bat Dechant Johannes Brühl den jungen Kaplan, die Seelsorge für die zahlreichen kroatischen Arbeiter zu übernehmen, die beim Bau der Sauerlandlinie beschäftigt waren.

Schon im August gab es die ersten Sonntagsgottesdienste in kroatischer Sprache in St. Joseph und Medardus – das war der Anfang der kroatisch-katholischen Mission in Lüdenscheid. Bald feierte Simovic auch in Meinerzhagen, Altena und Schwelm Messen in kroatischer Sprache. Gleichzeitig baute er eine Betreuung der Arbeiter durch Sozialarbeiter auf. Auch als Simovic 1971 als Kaplan nach Bochum versetzt wurde, übernahm er noch bis Anfang 1973 zwei Tage in der Woche die seelsorgliche Betreuung der kroatischen Mission in Lüdenscheid.

1975 wurde Simovic hauptamtlicher Pfarrer der kroatisch- katholischen Mission Bochum-Wattenscheid und Hattingen, bis er Ende Oktober 1993 auf eigenen Wunsch nach Lüdenscheid zurückkehrte, in die kroatische Gemeinde Ennepetal-Lüdenscheid. Im Rahmen der Strukturreform des Bistums Essen wurde sein Wohnsitz später nach Ennepetal verlegt und das Gemeindezentrum, seit 1995 in der Villa Deumer, aufgelöst. Aber Lüdenscheid blieb für Simovic, der in der Bergstadt viele Freundschaften pflegt, und die Gemeinde ein zentraler Ort. Am Danziger Weg wurde ein „Minizentrum“ als Treffpunkt und Ort für regelmäßige Gemeindemittagessen eingerichtet.

Die Messen in kroatischer Sprache sind nach wie vor ein fester Bestandteil des Terminkalenders in der Kirche St. Joseph und Medardus. Auch das Sveti Ivo-Fest hat inzwischen eine 20-jährige Tradition. Die Zukunft der Gemeinde ist auch nach dem Abschied von Branko Simovic gesichert: Künftig werden der Pfarrer und eine neu eingestellte Gemeindereferentin der kroatischen Gemeinde in Hagen den Bereich Ennepetal-Lüdenscheid mit begleiten. Um den fließenden Übergang zu gewährleisten, blieb Simovic noch einige Monate nach seinem 75. Geburtstag, den er im Mai feierte, im Amt.

Um seinen Traum, Priester zu werden, realisieren zu können, musste Branko Simovic einen weiten Weg zurücklegen. Geboren wurde er am 10. Mai 1940 als viertes von fünf Kindern einer katholischen Familie in einem Dorf in der kroatischen Provinz Banovina, die ab 1945 zur Volksrepublik Jugoslawien unter dem Regime von Tito gehörte. Als kleiner Junge erlebte Somivic die Schrecken den Zweiten Weltkriegs und später, wie sein Vater von den Kommunisten zur Zwangsarbeit verschleppt wurde und 1951 in einem Zwangsarbeiterlager starb.

Der Wunsch, Priester zu werden, wurde durch den Pfarrer seiner Heimatpfarrei, Andrija Majic, genährt, der gelassen Erniedrigungen und Angriffe der Kommunisten ertrug. Dieser verhalf Branko Simovic auch nach der mittleren Reife zu einem Platz in einem von Jesuiten geleiteten Knabenseminar. Durch den Militärdienst konnte er sein Abitur aber erst mit zweijähriger Verspätung 1963 nachholen. Auch den geplanten Beginn des Theologiestudiums versuchte das Regime zu verhindern, indem es den jungen Mann viel früher als üblich zu einem Dienst als Reservist einzog.

Als sich die Gelegenheit bot, gemeinsam mit einem Nachbarn die Flucht nach Frankreich zu versuchen, überlegte Simovic nicht lange. Es folgte eine mehrtägige und gefahrvolle Odyssee, bis beide das westeuropäische Land erreichten und Asyl beantragten. Für Branko Simovic ging es aber zunächst in ein Flüchtlingslager nach Italien.

Sein Traum vom Theologiestudium erfüllte sich erst ab 1964 im Bistum Essen, nachdem der damalige Kroatenseelsorger des Bistums den jungen Mann in Italien kennengelernt hatte. Nach seiner Prüfung 1968 folgte das Priesterseminar im heutigen Kardinal- Hengsbach-Haus. Zum Priester geweiht wurde Branko Simovic am 10. Juli 1970. Am 12. Juli feierte er seine Primiz und kam nur zwei Tage später als Kaplan nach Lüdenscheid.

 Für seinen Ruhestand hat sich Branko Simovic viel Zeit zum Schreiben und Lesen vorgenommen, erzählt er im Gespräch mit den Lüdenscheider Nachrichten. Dabei will er zunächst in Ennepetal wohnen bleiben, aber auch viel Zeit in seinem Geburtshaus im heutigen Bosnien- Herzegowina verbringen.

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