Gründe zur Mietminderung: Balkonabriss, Mauerbau

LÜDENSCHEID – Irgendwann platzt selbst dem geduldigsten Mieter der Kragen, und zwar wenn Wohnungsmängel die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. „Eine gewisse Toleranzschwelle muss überschritten sein. Nur nicht unerhebliche Mängel berechtigen zur Mietminderung“, weiß Bernd Eisenhuth, Sprecher des örtlichen Mietervereins. „Wohnungsmängel sind bei uns zwischenzeitlich das zweithäufigste Beratungsthema.“

Rund 2500 Beratungen in unterschiedlichen Bereichen führt der Deutsche Mieterbund Mark – Mieterverein für Lüdenscheid und Umgebung im Jahr durch, davon rund 500 in Fällen von Wohnungsmängeln und Mietminderung. Je nach Beeinträchtigung der Wohnqualität gibt es unterschiedliche Höhen der Mietminderung, der entsprechende Gerichtsurteile zugrunde liegen. So schlagen verschiedenfarbige Badezimmerfliesen nach Reparaturarbeiten des Vermieters und daraus resultierende optische Mängel mit einer fünfprozentigen Mietminderung zu Buche. Das Landgericht Kleve fällte diese Entscheidung. Das Landgericht Hamburg wiederum schrieb einem Vermieter, der einen Balkon hatte abreißen lassen, acht Prozent Mietminderung ins Stammbuch und die Verpflichtung, einen neuen zu bauen. Das Amtsgericht Schöneberg sprach einem Mieter eine Mietminderung von drei Prozent zu, weil dessen Badewannenabfluss defekt war.

Bernd Eisenhuth kann aus seiner langjährigen Erfahrung von vielen weiteren, zum Teil skurrilen Mängeln berichten. So baute ein Häuslebauer einen Neubau so nah an das angrenzende Gebäude, dass dessen Mieter nur noch gegen eine Wand sah, wenn er das Fenster öffnete. „Der war praktisch zugemauert.“ Ein auf einem Fliesenboden stehender Konzertflügel sorgte beim Musizieren für unfreiwillige Mithörer. Lärmpegelmesser helfen inzwischen bei der Beurteilung der Beeinträchtigungen. Da kommt‘s auch schon einmal zu Streitigkeiten zwischen den Mietern.

Schimmel und Feuchtigkeit sind immer wieder Mietminderungsgründe. „Grundlage ist immer, dem Wert einer zuvor einwandfreien Wohnung die Schwere der Mängel gegenüberzustellen“, sagt Eisenhuth.

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