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Großes Labor in Lüdenscheid: Wahl gibt den Schlüssel weiter

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Von: Thomas Machatzke

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Medizinisches Labor Wahl Amodeo Lüdenscheid
Dr. Britta Amodeo (links) ist seit dem 1. Juli neue Chefin des Medizinischen Labors Wahl im Lüdenscheider Süden. Dr. Dr. Hans Günther Wahl (rechts) hat die Laborleitung damit an seine bisherige Stellvertreterin übergeben und freut sich, dass es unternehmergeführt weitergeht. © Thomas Machatzke

Nie hat das Medizinische Labor Wahl in Hellersen mit seiner Arbeit mehr im Blickpunkt gestanden als in den vergangenen beiden Corona-Jahren. Am 1. Juli hat es nun seinen 15. Geburtstag gefeiert – und dieser Geburtstag war ein ganz besonderer, denn der 15. Geburtstag war der Tag des Wechsels an der Spitze des Labors, dessen Chefin seitdem die Laborärztin Dr. Britta Amodeo ist und nicht mehr Dr. Dr. Hans Günther Wahl. Wahl tritt ins zweite Glied zurück.

Lüdenscheid – „Wir planen diesen Übergang praktisch seit sechs Jahren“, sagt Wahl. „Erst haben wir es immer wieder verschoben, dann kam uns Corona dazwischen. Aber jetzt zum 15. Geburtstag passt es doch gut.“ Eigentlich hatte man den Geburtstag und mit ihm die feierliche Übergabe des Staffelstabes im Juli mit einem großen Fest in der Humboldt-Villa geplant. Doch dann hat die Humboldt-Villa Anfang des Jahres zugemacht. Nun soll die Feier im September nachgeholt werden. Wo, das ist noch unklar. Eine Feier mit rund 200 Gästen – da sei es in Lüdenscheid nicht so leicht, eine passende Örtlichkeit zu finden.

Als die neue „Medlabwahl GmbH“ im Sommer 2007 startete, da waren es 18 MTAs, die im Labor beschäftigt waren. Die Märkischen Kliniken in Lüdenscheid, Werdohl und seinerzeit noch Letmathe waren der einzige Partner. In diesen Kliniken war das Labor vorher eine Abteilung unter vielen gewesen, als der Privatdozent Dr. Dr. Hans Günther Wahl dort 2005 als Chefarzt angefangen hatte. Und eine defizitäre dazu, denn das Labor durfte aus rechtlichen Gründen keine externen Aufträge bearbeiten. Es gab keine Einsenderpraxen.

Dr. Britta Amodeo war 2007 auch schon in Lüdenscheid tätig. Wahl kannte sie von ihrem Studium in Marburg, dort war er ihr Dozent gewesen. Und weil sich die junge Ärztin aus Süchteln am Niederrhein für die klinische Chemie und Labormedizin begeistern konnte, folgte sie im Jahr 2006 dem Ruf nach Lüdenscheid und wurde im Sauerland Laborärztin.

Großes Labor in Lüdenscheid: Wahl gibt den Schlüssel weiter

2007 also ging es in die Eigenständigkeit. So hatte man es dem Chefarzt vorgeschlagen. Und so öffnete sich das Labor für Einsenderpraxen und Kliniken und wuchs Schritt um Schritt. Die Kliniken und daneben die Einsenderpraxen waren die zwei Standbeine, die das Labor wieder in die schwarzen Zahlen führten. „Es war eine andere Unternehmensform“, erinnert sich Wahl, „und es waren dann auch andere Entscheidungsprozesse als in einer Abteilung einer großen Klinik.“ Zum Laborstandort in Lüdenscheid gesellten sich mit der Zeit sechs weitere in Kassel, Bad Wildungen, Schwalmstadt, Warstein, Hemer und Hagen. Ab Dezember kommt zudem Brilon als achter Standort dazu.

Für diese Labore arbeiten inzwischen mehr als 200 Mitarbeiter, die 23 Kliniken und 200 Einzelpraxen mit ihren Analysen bedienen. Acht Laborärzte sind inzwischen im Boot, dazu weitere Naturwissenschaftler. Zuletzt in der Corona-Zeit hat man im Bereich IT noch einmal aufgestockt und bei den PCR-Tests auch noch zwei, drei neue Mitarbeiter eingestellt. Mehr aber nicht, die Pandemie hat das Labor zwar in der Belastung an nie geahnte Grenzen geführt, aber gewachsen in diese Größenordnung ist es schon vorher. „Man kriegt kein Personal“, sagt Wahl mit Blick auf die Corona-Zeit. So war die Belastung für alle Beschäftigten extrem hoch.

Für diese 200 Mitarbeiter jedenfalls trägt nun Dr. Britta Amodeo die Verantwortung – eine große Aufgabe, auf die sich die zweifache Mutter aber sehr freut. Und mit ihr freut sich Dr. Dr. Hans Günther Wahl. „Normal wäre vielleicht auch ein Verkauf an irgendeine börsennotierte Laborkette gewesen“, sagt er. „Aber wir wollten bewusst weiter ein unternehmer- und kein konzern-geführtes Labor sein. Das war die erste ganz wichtige Entscheidung, die wir getroffen haben.“

Wir wollten bewusst weiter ein unternehmer- und kein konzern-geführtes Labor sein. Das war die erste ganz wichtige Entscheidung, die wir getroffen haben!

Dr. Dr. Hans Günther Wahl (bisheriger Chef des Labors)

So gibt es in Hellersen – seit Oktober residiert die Verwaltung des Medizinischen Labor Wahl im ehemaligen ipf-Gebäude an der Kalver Straße, das zusätzlich gekauft wurde – zwar nun eine neue Chefin, doch ansonsten wird sich nicht viel ändern, denn auch Dr. Dr. Hans Günther Wahl wird dem Labor erst einmal ganz normal erhalten bleiben. „Die Struktur ist dieselbe“, sagt Wahl zufrieden, „jeder kennt die neue Chefin, und die neue Chefin kennt jeden…“

Es ist ein Generationswechsel: „Es war lange klar, dass wir es so machen wollen“, sagt Dr. Britta Amodeo, die bisher Wahls Stellvertreterin gewesen ist – oder, wie es der 66-Jährige ausdrückt, seine „rechte und linke Hand, von Anfang an“. Die 42-Jährige lebt im Lüdenscheider Süden, ist heimisch geworden in der Bergstadt. „Ich bin Ärztin, keine Kauffrau, deshalb war dieser Weg nicht unbedingt vorgezeichnet“, sagt Amodeo, „nun bin ich als Alleinunternehmerin Chefin von 200 Mitarbeitern. Das ist schon etwas Besonderes. Man wird da hereinwachsen. So wie es ist, ist es jetzt gut.“

Corona-Zeit als zweieinhalbjähriger Stresstest

Auch die relative Ruhe nach zwei Jahren Corona tut im Sommer 2022 gerade gut. So konstatieren es Wahl und auch Amodeo. „Die vergangenen beiden Jahre – das war: wenig Schlaf, viel Stress. Und zwar permanent. Diese eigentlich zweieinhalb Jahre haben mir den Rest gegeben“, sagt Wahl. Amodeo bricht eine Lanze für ihre Mitarbeiter. „Die Mitarbeiter haben es wirklich schwer gehabt,“ sagt sie, „die Belastung war extrem hoch, dazu kamen viele Nachfragen und Beschwerden, die Probleme mit den Lieferketten. Immer Aufregung. Das war keine leichte Zeit.“

Im Winter, als die Belastung in der neuerlichen Corona-Welle wieder eine extreme war, orderten Wahl und Amodeo täglich eine Masseurin, die mittags die Nackenmuskulatur lockerte bei den MTAs. Sie stellten Obstkörbe hin. Alles, um die „Moral hochzuhalten“, wie beide unisono feststellen. „Eigentlich sind alle froh, dass es im Moment etwas weniger ist“, sagt Wahl. Im Januar und Februar sei es richtig schlimm gewesen. Aktuell ist die Auslastung im Vergleich zu dieser Zeit trotz der hohen Inzidenzen bei etwa 40 Prozent. Wobei die Quote der positiven PCR-Tests dieser Tage eine sehr hohe ist.

Durchatmen und neue Wege gehen: Vor der nächsten Welle haben Dr. Dr. Hans Günther Wahl und Dr. Britta Amodeo nun den Schritt vollzogen, den sie schon lange geplant hatten. „Ein guter Zeitpunkt“, sagt Wahl. Amodeo stimmt ihm zu. Sie schauen gemeinsam in die Laborzukunft – die Chefrolle hat gewechselt, aber der Kurs soll derselbe bleiben.

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