Von der Klassik bis in die Moderne

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Johanna Pichlmair (Violine) spielte beim Konzert des Trios ein gewaltiges Pensum.

Lüdenscheid -  Großer Beifall für ein glänzend dargebotenes ambitioniertes Programm: Das Gastspiel des „Trio Pascal“ im Rahmen der Reihe der Meisterkonzerte im Kulturhaus hatte es in sich. Der aufgebotene riskante Weg von der Klassik bis in zeitgenössische Musik fiel angesichts glänzender Solisten in einem harmonischen Trio leicht.

Von Ulf Schwager

Behutsam führte das Programm zunächst das Trio und das Publikum zusammen. Das Es-Dur Trio (Opus 20 Nummer 5) des böhmischen Komponisten Jan Vanhal ermöglichte dank vertrauten Klanges den freien Blick hin zu den Akteuren. Höchst musikantische wie elegante Spielweise, bewegter Vortrag und exzellente Harmonie beeindruckten. Freundlichen Beifall gab’s nach einer unterhaltsam aufgelegten Interpretation des Vanhal-Stückes.

Nahezu zwei Jahrhunderte nach Vanhals Ableben schuf Sebastian Currier 1997 „Verge“, ein Werk, das über extremen Kontrast Grenzen auslotet. Satzbezeichnungen wie „almost to fast - almost to slow“ (fast zu schnell-fast zu langsam) verdeutlichen dies. Einen erschöpfenden Auszug aus dieser Komposition bot das „Trio Pascal“ im Kulturhaus. Überwältigend, wie Helge Aurich (Piano), David Kindt (Klarinette) und Johanna Pichlmair (Violine) das fulminante „fast zu schnell“ klar akzentuierend aufboten, Dichte und Spannung im aufreizend langsamen Teil bewahrten. Positiv nahm das Publikum diese Musik auf. Dies ist angesichts der Qualität des Trios und dessen Ausstrahlung auf der Bühne verständlich. Spätestens mit diesem Stück hatte es zwischen Akteuren und Zuhörern „gefunkt“.

Hinreißend gespielt: Igor Strawinskys Musiktheater-Werk „Histoire du Soldat“, die Geschichte vom Soldaten in der Fassung für Klavier Geige und Klarinette. Bedrückend schön war dabei „Marche du Soldat“.

Ein weiterer Höhepunkt dieses musikalisch erlebnisreichen Konzertes bot sich den Zuhörern mit Bela Bartóks „Kontraste Sz 111“ (1938). Für Joseph Szigeti (Violine) und Benny Goodman (Klarinette) geschaffen , spielte Bartók bei Uraufführung (1940) in New York selbst den Klavierpart. Der mitreißende, von den Roma gepflegte Tanz- und Musikstil „Verbunkos“ steht am Anfang von Bartóks Komposition. Zwingende Rhythmik und Bartóks Tonsprache setze das exzellent um.

Als klar, sachlich und brillanter Begleiter wie Solist zeigte sich Pianist Helge Aurich. Stets unter Strom: Klarinettist David Kindt, der selbst vertrackteste Sprünge und wildeste Läufe wie selbstverständlich hinlegte, zudem hohen Ausdruck zutage förderte. Die „Neue“ im Trio, die bestrickend aufspielende Geigerin Johanna Pichlmair, absolvierte das gewaltige Pensum, als spiele sie schon immer mit den neuen Kollegen zusammen.

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