Großer Andrang zur Eröffnung der Gedenkzellen

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Die Erleichterung über das große Interesse an den Gedenkzellen war Matthias Wagner (links) schon bei der Besichtigung vor dem Festakt anzumerken. Auch Museumsleiter Dr. Eckhard Trox (rechts) gehörte zu den Besuchern. ▪

LÜDENSCHEID ▪ Es war ein langer Weg, ein „spannender Prozess“, wie Bürgermeister Dieter Dzewas sagte, aber nun sind die Gedenkzellen im Alten Rathaus in Lüdenscheid offiziell eröffnet. Wegen des Andrangs konnten die beiden Zellen am Freitagnachmittag nur dicht gedrängt und in Etappen besichtigt werden. Beim anschließenden Festakt drängten sich rund 130 Menschen im Roten Saal des Kulturhauses.

Das große Interesse hat Matthias Wagner, den Vorsitzenden des Vereins Gedenkzellen und Motor der Initiative, sichtlich bewegt und darin bestätigt, dass das siebenjährige bisweilen schwierige Engagement sich gelohnt hat. Als ihm Schüler des Gertrud-Bäumer-Berufskollegs als Geschenk ein Buch ihrer Studie zu Zwangssterilisierung und Euthanasie überreichten, freute sich Wagner, wie viele Menschen die Gedenzellen als Erinnerungsstätte an die Opfer des Nationalsozialismus mittragen. Dass das nicht immer so war und auch die Zusammenarbeit im 2005 gegründeten Verein nicht immer leicht war, daraus machte keiner der Beteiligten einen Hehl. Umso geschlossener traten Vereinsmitglieder, Vertreter aus Rat und Verwaltung sowie interessierte Bürger auf, um das Ergebnis miteinander zu feiern.

Wie wichtig das Erinnern ist, um für die Gegenwart und die Zukunft zu lernen, betonte neben Dzewas und Wagner auch Dr. Ulrike Schrader vom Arbeitskreis der NS-Gedenkstätten in NRW. In ihrer Festansprache ließ sie die Geschichte des Umgangs mit der NS-Vergangenheit Revue passieren. Sie erinnerte daran, dass in den ersten Nachkriegsjahren niemand etwas von den Opfern wissen wollte und dass Richard von Weizsäcker 1985 der erste war, der offiziell von einer Befreiung Deutschlands durch die Alliierten sprach. Die Gedenkzellen in den ehemaligen Arrestzellen sieht sie als Chance, sich auch mit den Tätern zu beschäftigen. Erst darüber lasse sich die Struktur eines Verbrechens erkennen, um Lehren daraus zu ziehen. „Sich mit den Verbrechen der NS-Zeit zu beschäftigen ist keine Immunisierung, das tun Neonazis auch.“

Wagner wie Dzewas mahnten, wie wichtig es ist, die Demokratie zu schützen. Um dies zu unterstreichen, verlas Wagner in seiner Rede keineswegs Namen der Opfer, derer in den Gedenkzellen gedacht wird, sondern die der Opfer der NSU-Terrorzelle.

Begleitet wurde der Festakt von Yasmin Alijah (Klavier) und Burkhard Waimann (Klarinette), mit Stücken aus Alijahs Zyklus „Shoah“. „Fort“, ebenfalls aus diesem Zyklus, diente als Untermalung für eine Bildpräsentation des Gedenkens. Liedermacher Rüdiger Drallmeyer hatte ein Lied eigens für die Eröffnung der Gedenkzellen geschrieben.

Für Matthias Wagner ist „ein großes Ziel erreicht“, die Arbeit aber längst nicht zu Ende, so sollen die neuesten Forschungsergebnisse publiziert und regelmäßige Vortragsveranstaltungen organisiert werden. ▪ gör

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