"Wir werden sie unendlich vermissen"

Große Trauer nach Tod von Pfarrerin Monika Deitenbeck-Goseberg - ein Nachruf

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Pfarrerin Monika Deitenbeck-Goseberg.

Lüdenscheid - Am Freitag ist die Beisetzung von Pfarrerin Monika Deitenbeck-Goseberg. Die Nachricht von ihrem plötzlichen Tod traf ihre Gemeinde, traf die Lüdenscheider wie ein Schock. Ein Nachruf:

„Es ist nicht alles gut. Aber es ist auch nicht alles schlecht.“ – Als Monika Deitenbeck-Goseberg vor Weihnachten in der Redaktion Gebäck und gute Worte verteilte, so, wie sie es jedes Jahr tat, war sie ungewöhnlich ernst. Sie, die quirlig und direkt sofort Mittelpunkt jeder Gruppe wurde, auf die sie traf, war nachdenklich. Als sich am Freitag die Nachricht schnell verbreitete, dass die weit über ihre Gemeinde in der Oberrahmede hinaus bekannte Pfarrerin kurz nach ihrem 65. Geburtstag unerwartet gestorben sei, erhielt diese letzte Begegnung eine eigene Bedeutung.

An der Endgültigkeit des Abschieds ändern Erinnerungen nichts. Er fällt jedem schwer, ob er sie nun liebevoll „Moni“ nannte oder Frau Pfarrerin. Sehr persönliche Abschiedsworte findet ihre Fan-Gemeinde im Netz, wo auch die Pfarrgemeinde – traurig und zuversichtlich zugleich – schreibt: „... sie wird uns unendlich fehlen. Ihre Liebe, ihr Mut, ihre Einsicht, ihre Herzlichkeit und ihr riesengroßes Herz.“

Nicht jedem konnte sie alles geben, aber vielen Vieles

Dieses Herz schlug bedingungslos für jene, die Hilfe und Hinwendung brauchen, für Obdachlose und Flüchtlinge, für Rat und Trost Suchende. Sie, die als Hobby einmal „Menschen“ angegeben hat, lernte notgedrungen, mit einem Defizit zu leben: Nicht jedem konnte sie alles geben, aber vielen Vieles. Das zehrte an ihr, die sich schließlich um die eigene Gesundheit sorgen und kümmern musste.

Das evangelikale Elternhaus prägte die Tochter des bekannten Lüdenscheider Pfarrers Paul Deitenbeck, gab ihr eine tiefe, unerschütterliche Frömmigkeit mit. Vor mehr als 40 Jahren heiratete Monika Deitenbeck ihren Volkmar; zwei Jahre danach begann sie ihren Dienst in der Oberrahmede. Die richtige Wahl für sie, die nach dem Studium gerne in ihre Heimatstadt zurückgekehrt war, die Stadt, in der sie gerne alt geworden wäre.

Monika Deitenbeck-Goseberg packte mit an, wenn Tatkraft gefragt war

Drei Kinder, vier Enkel – Familie im engen und im umfassenden Sinne erfüllte sie. 1992 rief sie den Obdachlosenfreundeskreis (OFK) ins Leben. Sie packte mit an, wenn Tatkraft gefragt war und machte sich mit Hochdruckreiniger, Schrubbern und Arbeitshandschuhen 2002 auf den Weg, um den Flutopfern im Elbtal zu helfen. Sie suchte „Gemeinsame Wege“ im Rahmen einer überkonfessionellen Initiative. Wohin sie kam, wollte sie „Glauben wecken, stärken und leben“ auf ihre sehr persönliche, unwiderstehliche Art.

Nicht nur ihrem Stadtteil gab sie Identität, Zuversicht und Selbstvertrauen. Sie lebte den Mut vor, sich nie zu verstellen, selbstbewusst hervorzustechen aus der Masse.

Ohne den Trost der Freude hätte sie das Leid, was zu ihrer Berufung gehörte, schwerlich ertragen können. „Ich baue mir immer Inseln der Freude“, schrieb sie in ihrem Tagebuchbeitrag zum Jubiläumsjahr 2018. „Und ich freue mich ganz doll auf die Ewigkeit. Wo die Tränen abgewischt, die Fragezeichen beantwortet und die Lebensrätsel entwirrt (...) werden.“

Die Trauerfeier mit anschließender Beisetzung findet am Freitag um 11 Uhr in ihrer Kirchengemeinde Oberrahmede statt. Ganz in ihrem Sinne, in der Tradition der offenen Arme: „Alle, die Abschied nehmen wollen, sind herzlich willkommen."

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