Große Resonanz auf erste Sonntagsführung in Reusch-Ausstellung

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Galerieleiterin Dr. Susanne Conzen (rechts) freute sich über das große Interesse an der ersten öffentlichen Sonntagsführung durch die Ausstellung mit Werken von Erich Reusch.

Lüdenscheid - Sonntag, Sonnenschein und dennoch kamen 18 Besucher in die Städtische Galerie zum ersten geführten Rundgang durch die Ausstellung mit Werken von Erich Reusch. Galerieleiterin Dr. Susanne Conzen berichtete aus den Tagen, als der 90-jährige Künstler aus Neuenrade die Ausstellung offenbar mit viel Sorgfalt vorbereitete und sogar ein neues Gemälde auf eine Wand malte.

Ein kleiner Film zeigt den Entstehungsprozess des Bildes: Immer wieder bewegt sich der Künstler von dem Bild weg, prüft den Gesamteindruck und malt oder spritzt mit dem Pinsel weitere rote oder schwarze Farbflächen. Susanne Conzen vergleicht den Auftrag der Farbe mit der Maltechnik des Amerikaners Jackson Pollock, der seine Leinwände mit farbigen, sich kreuzenden Linien überzog, aber auch Punkte auf die Leinwände spritzte. In Erich Reuschs Lebenswerk ist der weiße Bildgrund mit seinen zwei Dimensionen das Äquivalent zum Raum, der das zentrale Thema seines Lebenswerkes ist. Farben erobern auf unterschiedliche Weise die weiße Fläche.

Der Künstler selber hängte die Bilder für die Ausstellung. Obwohl sie aus ganz verschiedenen Schaffensjahren stammen, scheinen sie miteinander zu kommunizieren. Ihre Farben üben von Bild zu Bild unterschiedliche Wirkungen auf die Fläche aus, ringen miteinander und scheinen Räume zu öffnen. „Was machen die Flächen miteinander, was machen die Farben miteinander?“, nannte Susanne Conzen die zentralen erkenntnisleitenden Fragen, um diese abstrakte Kunst zu verstehen.

Die Zwischenräume, die Räume zwischen seinen Skulpturen, sind seit langem Erich Reuschs zentrales Thema. Im Untergeschoss des Museums zeigen zwölf Quader diesen Raum auf unterschiedliche Weise: In vier Dreiergruppen angeordnet, gibt es einen schmalen Spalt zwischen den Blöcken. Erheblich größer ist der Raum zur nächsten Dreiergruppe. Die Anordnung definiert darüber hinaus ein Innen und ein Außen der gesamten Gruppe. Beide Räume sind für den Besucher begehbar.

Eigentlich, so erzählt Susanne Conzen den Besuchern, habe Erich Reusch viel Größeres mit den Quadern vorgehabt. „Doch der ganze Raum ließ sich nicht mit den Eisenstücken füllen.“ Der Grund war die vom Künstler als brutal empfundene Beton-Architektur des Raumes, der er sich „fügen musste“ und der er sich ein Stück weit verweigerte. Die ursprünglichen Gestaltungsziele wurden verändert. Im Prozess dieser Auseinandersetzung mit dem vorhandenen Raum beobachtete die Galerieleiterin Reuschs „unglaubliche Wahrnehmung von Räumlichkeit“. Den Raum zwischen sich öffnen auch die elektrostatischen Objekte im Obergeschoss der Galerie. Reuschs „horizontale Skulpturen“ sind eigentlich als begehbare Orte gedacht – als ein Ort von Freiheit. Eine Besucherin urteilte folgerichtig: „Die Absperrung widerspricht diesem Konzept.“ Das vorhandene Seil soll die sehr empfindlichen Objekte allerdings schützen.

Die Ausstellung „Reusch – Werke 1935 bis 2015“ ist noch bis zum 20. September in der Städtischen Galerie am Sauerfeld zu sehen (Mittwoch bis Sonntag, 11 bis 18 Uhr). Der Eintritt ist frei. Die Teilnahme an einer Führung kostet drei Euro.

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