Heiratsschwindler muss sich vor Gericht verantworten

LÜDENSCHEID ▪ Liebe ist nicht immer nur schön. Vor allem dann nicht, wenn sie blind macht. Das musste eine 44-jährige Sozialarbeiterin feststellen, die ihr Herz im vergangenen Jahr einem mutmaßlichen Heiratsschwindler schenkte. Der, ein arbeitsloser „Hartzer“ aus Schwerte, muss sich seit Montag wegen Betruges vor dem Schöffengericht verantworten.

Der 61-Jährige macht äußerlich einen etwas abgerissenen Eindruck. Nach einem Schlaganfall ist seine Sprache schleppend, Parkinson prägt seine Bewegungen. Die Augen liegen tief im Schädel, ein Bauch unter violettem Pulli hängt über dem Gürtel. Das alles will nicht zu dem passen, was er der Lüdenscheiderin über sich berichtet haben soll. Er sei Geschäftsmann mit Immobilienbesitz, unter anderem in Spanien und den USA, habe er erzählt. Seine Behinderung rühre von einem schweren Motorradunfall in Andalusien. Er wolle sein Hotel verkaufen und erwarte einen größeren Geldbetrag. Das Glück scheint perfekt – Auto, Haus, Hochzeitstermin. Die Frau sagt zu Richter Thomas Kabus: „Ich schwebte auf ich weiß nicht was für einer Wolke.“

Dass sie auf einen Typen hereingefallen ist, der fast 100 Straftaten auf dem Kerbholz hat – überwiegend Betrügereien –, kann sich die Zeugin nicht erklären. Erst recht nicht, dass sie einen Kredit aufgenommen und ihm 37 000 Euro ausgehändigt hat. „Er hat gesagt, er verwalte das Geld in unserem Sinne.“ Sie unterschreibt den Mietvertrag für das Haus an der Kalve, sie bestellt ein neues Auto, sie steht für das Darlehen gerade. Er nimmt.

Und lügt. Aus dem Motorradunfall wird plötzlich – noch dramatischer – ein Schlangenbiss. Sein Geburtsjahr verändert sich vor dem Standesbeamten von ‘61 auf ‘51, angeblich, weil der Bundesnachrichtendienst ihn mal auf geheime Mission geschickt hatte. Und der sonnige Spanienaufenthalt war in Wirklichkeit: Knast. Die getäuschte Liebende blickt zurück. „Ich war gar nicht mehr sicher, wen ich da vor mir hatte.“

Schwester, Schwager und Freunde helfen schließlich, den Spuk zu beenden. Sie befördern den Mann kurzerhand aus dem Haus und versuchen wochenlang, ihm die 37 000 Euro zu entlocken. Er vertröstet, sagt Termine ab und lässt eine Verabredung zur Geldübergabe platzen. Sie löst die Verlobung, bläst die Hochzeit ab und schaltet einen Anwalt ein.

Der Anwalt auf der Gegenseite, Strafverteidiger Philippos Botsaris aus Hagen, hat keinen leichten Stand. Sein Mandant – er gibt „freiberuflicher Internet-Sachverständiger“ als Beruf an – bestreitet die Vorwürfe. „Ich habe 99 Prozent aller Kosten getragen.“ Außerdem habe er nur 14 000 Euro von seiner Geliebten erhalten. Und er habe seiner Freundin schon am ersten Abend von seiner Inhaftierung erzählt. „Nun versuche ich, zivilrechtlich an mein Geld zu kommen.“ Beweise für seine Behauptungen: bislang Fehlanzeige. Nun sollen weitere Zeugen gehört werden.

Der Prozess wird am 16. März um 12.30 Uhr im Saal 125 des Amtsgerichtes fortgesetzt.

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