Groschek will Altstadt als Wohnquartier fördern

NRW-Bauminister Michael Groschek (SPD) sieht nach der Denkfabrik am Bahnhof die Altstadt als nächste große Aufgabe der Stadtentwicklung an.

LÜDENSCHEID ▪ Die Altstadt soll vom Land Nordrhein-Westfalen als Musterquartier für die „Heimat vor der Haustür“ ausgewählt werden.

Mit dieser Absichtserklärung überraschte NRW-Bauminister Michael Groschek (SPD) heute bei seiner Stippvisite im Rathaus. Dort hatte er sich von Bürgermeister Dieter Dzewas sowie den SPD-Bundes- und Landtagsabgeordneten Petra Crone und Gordan Dudas zuvor über die Fortschritte der Denkfabrik informieren lassen. In dem Gespräch ging es indes auch um die Frage, was nach deren Fertigstellung 2015 in Sachen Stadtentwicklung folgen sollte.

Das Schlagwort „Heimat vor der Haustür“ steht laut Groschek für altengerechtes und auch energetisch bezahlbares Wohnen. Eine „Horrorvision“ sei für ihn dagegen, was sich in süddeutschen Bundesländern abspiele, wo pflegebedürftige Menschen regelrecht ins benachbarte Ausland abgeschoben würden. „Das darf es bei uns nicht geben.“

Auf die Nachfrage der LN, dass für die Lüdenscheider Altstadt gerade eher Überlegungen in Richtung Gastronomie und Einzelhandel angestellt würden, erklärte der Minister: „Wir müssen uns mit dem Wandel im Handel auseinandersetzen. Da mag sich mancher heute für seine Altstadt lauter Tante-Emma-Läden de luxe mit absolut exquisiten Angeboten wünschen – für mich steht jetzt schon fest, dass sich die Leute das zwar gerne angucken werden, danach aber im Discounter nebenan kaufen. So eine Welt kann sich in der Wirklichkeit keiner erlauben.“ Was sich die Gesellschaft dagegen erlauben müsse, seien Wohnungen, die es älteren Menschen ermöglichen, lange selbstständig in ihrer angestammten Umgebung zu bleiben.

Auf das gerade geplante Altstadt-Café angesprochen, sagte Groschek: „Das würde in ein Wohnquartier für Ältere doch wunderbar hineinpassen. Eine laute Kneipenszene dagegen nicht.“ Die wäre für ihn in der Lüdenscheider Altstadt allenfalls denkbar, wenn die Zahl der neuen Fachhochschul-Studenten weiterhin so stark anstiege wie zuletzt, als sich 250 Studenten neu für Lüdenscheid einschrieben. Dann könne dort sogar ein Studenten-Wohnviertel entstehen.

Jedenfalls gelte es das Wohnpotenzial der Altstadt mit den Eigentümern zu entwickeln. Er sei sicher, dass Hausbesitzer auch in Lüdenscheid erkennen: „Eine nachhaltige Wohnnutzung ihrer Häuser ist einer lukrativeren, womöglich aber kurzlebigen Verpachtung vorzuziehen.“

Vor eine Umwandlung der Altstadt sei in Lüdenscheid bis 2015 jedoch zunächst die Realisierung des Regionale-Projekts Denkfabrik zu setzen. „Und den Landeshaushalt 2016 kenne ich naturgemäß noch nicht.“

Zur Denkfabrik versprach Groschek, sie werde für den Steuerzahler kein Fass ohne Boden wie der Flughafen Berlin, Stuttgart 21 oder die Elbphilharmonie: „Hier entsteht eine Zukunftswerkstatt, die auch von Wirtschaft und Gewerkschaften getragen wird.“ Kooperation und Kontrolle aller Beteiligten nannte er „vorbildlich“.

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