Nach Ratschlag von Gesundheitsminister Jens Spahn

Grippeserum ist aus: Hausärzte im MK schlagen Alarm

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Die erste Impfdosen-Teillieferung war schnell aufgebraucht. Nun wartet – und hofft – Dr. med. Hartmut Gehlhar auf Nachlieferung.

Wenn doch nur die Corona-Empfehlungen zu Masken und Abstand so unmittelbare Folgen hätten: Seitdem Bundesgesundheitsminister Jens Spahn generell zur Grippeimpfung – nicht nur für Risikogruppen – geraten hat, werden Ärzte auch in der Bergstadt offensichtlich überrollt von Impfwilligen.

So meldeten sich Leser in der Redaktion, die von Praxen weggeschickt wurden, weil es keinen Impfstoff mehr gebe. Kein Einzelfall. 

Der Lüdenscheider Hausarzt Dr. Hartmut Gehlhar versucht, es diplomatisch zu formulieren: „Das ist totaler Mist!“ Nicht die Grippeimpfung an sich, natürlich, aber der Aufruf an alle sei ein Problem, erläutert er. Denn ein Impfstoff könne nicht mal eben nachproduziert werden. Die Wege sind eingespielt, der Ablauf unflexibel. 

„Die Impfdosen werden im Dezember bestellt und im Februar in zweistelliger Millionenhöhe produziert. Ausgeliefert werden die bestellten Dosen dann vor Beginn der Grippesaison. Dass Spahn nun die von ihm künstlich erhöhte Nachfrage irgendwo abzwacken muss, merkt der Mediziner selbst. 

„Ich habe Ende September nur ein Drittel der bestellten Dosen bekommen.“ Das reichte für 150 Impfungen, „und die waren nach einer Woche weg“, erzählt der Arzt. Jetzt hoffe er nur, dass er den Rest der bestellten Dosen noch bekomme. Impfstoff sei nun einmal kein Produkt wie jedes andere: „Das wird einmal im März hergestellt und bebrütet, dann ist Schluss.“ Man könne eine Impfung sicherlich generell empfehlen, meint er: „Aber nur, wenn genug Impfstoff da ist.“ So jedoch sei die praktische Umsetzung der Empfehlung unmöglich. 

Dass Patienten nun verärgert sind, Apotheken nicht nachliefern können und kein Recht auf Nachlieferung des Bestellten besteht – er kann’s verstehen. Aber im Dezember muss er für die nächste Grippe-Saison bestellen. Wie viel, das weiß er noch nicht. Normalerweise kam er immer aus für die Risikogruppen der über 60-Jährigen und der chronisch Kranken, für die die Impfempfehlung bislang galt. Doch durch Corona könnte sich das Risiko ändern: „Ich glaube, dass wir weniger Grippe-Kranke haben werden.“ Atemschutz und Abstandsregeln zeigten Wirkung, Infekte nähmen ab. Dr. Gehlhar: „Es macht Sinn, diese AHA-Regeln einzuhalten. Das ist die beste Vorsorge gegen Grippe.“

Trotz der gestiegenen Nachfrage verfügt die Krankenhaus-Apotheke der Märkischen Kliniken noch über ausreichend Grippe-Impfdosen, wie Kliniksprecherin Kim Bruse auf Anfrage mitteilte. Allerdings sind die Impfungen dem medizinischen und pflegerischen Personal verschiedener Kliniken sowie der Rettungsdienste des Märkischen Kreises und des Kreises Olpe vorbehalten. Ihr Schutz hat Priorität. Patienten gehen leer aus, sie erhalten den Grippeschutz ausschließlich bei ihrem Hausarzt. Auch niedergelassene Ärzte können sich nicht in Hellersen mit den gefragten Impfungen eindecken. 

Apothekendirektor Dr. Peter Hülsmeyer geht Corona-bedingt von einem Anstieg bei den Grippe-Impfungen von 20 bis 30 Prozent aus. Entsprechend hatte er seine Bestellung im Frühjahr von ursprünglich geplanten 500 auf 700 Impfdosen erhöht. Das reicht bislang. „Aufgrund der langen Vorlaufzeiten und erhöhten Nachfrage ist die Gesamtsituation zwar kritisch, mit Blick auf die Märkischen Kliniken jedoch sind ausreichend Impfdosen vorhanden“, sagt Hülsmeyer.

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