„Griechenland: Ein Fass ohne Boden“

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Ioannis Soultanidis im Reisebüro Hellas.

Lüdenscheid - Die Griechenland-Krise ist auch bei den in Lüdenscheid lebenden Griechen immer wieder ein Gesprächsthema. Mit zweien von ihnen sprachen die Lüdenscheider Nachrichten:

„Griechenland hätte ohne vorherige Reformen erst gar nicht den Euro einführen dürfen“, sagt Ioannis Soultanidis vom Reisebüro Hellas Reisen. Reformen seien unter anderem im Rentensystem notwendig gewesen.

Ein im europäischen Vergleich unterdurchschnittlich niedriges Renteneintrittsalter und die häufig zu beobachtende Aufbesserung der „ohnehin schon satten Renten durch Schwarzarbeit“ haben seiner Meinung nach zum immensen Staatsdefizit beigetragen haben.

„Das sind Subventionen für nichts“, führt Soultanidis weiter aus. Die Regierung habe Geld „verschenkt“ – ohne konkreten Zweck und Kontrolle. Geld, das sinnvoller in den Tourismus investiert würde. Dieser sei nämlich Griechenlands „Schwerindustrie“. Daher fordert er auch von der EU mehr Mittel zur Förderung des Tourismus. Nur so könne Griechenland irgendwann aus eigenen Kräften Schulden abbauen.

„Wer Griechenland helfen will, soll also versuchen, den Tourismus zum Ganzjahrestourismus auszubauen. Deutschland baut zwölf Monate im Jahr Autos und verkauft sie, Griechenland kann nicht von vier Monaten Arbeit im Jahr leben.“ Griechenland sei „ein Fass ohne Boden“, doch werde der Großteil der von außen zufließenden Mittel direkt an Gläubiger weitergeleitet und komme weder dem griechischen Volk noch der Wirtschaft zugute.

Stornierungen von Griechenland–Reisen könne er in seinem Reisebüro nicht feststellen, dafür aber eine deutlich gesteigerte Nachfrage nach Griechenlandflügen von „Auslandsgriechen“. Dies erklärt er mit deren Sorge um eigenes Kapital in Griechenland – ob in Geldeinlagen oder Sacheigentum.

Von der griechischen Regierung erwartet Ioannis Soultanidis mehr Kooperationsfähigkeit und ernst gemeinte Vorschläge, von der übrigen Euro-Gruppe hingegen mehr Verständnis und „realistische“ Lösungsvorschläge.

Der Lüdenscheider Geschäftsmann Panagiotis Georgakakis stimmt dem größtenteils zu. Er rät der griechischen Regierung, von ihrer „knallharten Verhandlungsstrategie“ abzusehen und nicht zu „boykottieren“, sondern sich kompromissbereit zu zeigen und Lösungen anzubieten. Den Ausgang des Referendums in Griechenland am 5. Juli über die von der EU vorgeschlagenen Sparmaßnahmen interpretiert er als „Absage zu Europa“. - tkar

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