Ausgeliefert: Prozess gegen „Vassili“ beginnt

Lüdenscheid - Sein Komplize war nur der Gehilfe. Der wurde vor einem Jahr zu 42 Monaten verurteilt. Der Haupttäter war da längst in Griechenland untergetaucht. Und grüßte per Facebook auf einem Foto mit ausgestrecktem Mittelfinger: „Fuer die arschloeher die mich suchen.“

Am Freitag beginnt sein Prozess vor der 4. großen Strafkammer des Hagener Landgerichts. Denn die Behörden haben nicht nur gesucht, sondern auch gefunden. Die griechischen Behörden haben den heute 29-Jährigen – in Lüdenscheid „Vassili“ genannt – ausgeliefert, die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben. An 15 Verhandlungstagen prüfen die Richter nun zahlreiche Vorwürfe, unter anderem den des erpresserischen Menschenraubes.

„Vassili“ soll zum Beispiel eine Freundin gezwungen haben, eine Dose Kokain für ihn zu Hause aufzubewahren. Als die junge Frau wenig später wegen eines Verkehrsunfalls in der Nachbarschaft Besuch von Polizisten bekam, schüttete sie den Stoff in Panik ins Klo und spülte ihn in die Kanalisation. Darauf bedrohte „Vassili“ sie laut Anklage mit einer Schusswaffe, hielt sie in ihrer Wohnung fest, forderte 3000 Euro von ihr und zwang sie, ihre „Schulden“ durch Prostitution zu begleichen. Die Frau floh ins Ausland.

Darauf soll der Angeklagte mit Bekannten in ihre Wohnung eingebrochen und unter anderem einen Computer, eine Kamera und eine Spielkonsole erbeutet haben. Unabhängig davon soll der 29-Jährige einen „Bekannten aus Kindertagen“ mehrfach überfallen haben, um an dessen Geld zu kommen. Nach dem ersten Raub habe der junge Mann seine EC-Karte sperren lassen – zur Strafe malträtierte ihn „Vassili“ darauf mit Schlägen und einem Elektroschocker. Er zwang sein Opfer laut Staatsanwalt, einen Kredit aufzunehmen und knöpfte ihm 7000 Euro ab. Mit einer neuen EC-Karte seines alten Bekannten habe der Angeklagte mehrfach Geld abgehoben – insgesamt mehr als 6000 Euro, heißt es. Außerdem musste der Mann – wieder unter Schlägen und Elektroschocks – Handyverträge abschließen und seinem Peiniger hochwertige Smartphones aushändigen.

Der Prozess vor der 4. großen Strafkammer findet ab Freitag, 9 Uhr, im Saal 201 des Landgerichts statt. Er wird am 11. November fortgesetzt.

Von Olaf Moos

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