Gratwanderung zwischen Massenware und Einzelstück

Reinhard Dieters ist im Gartencenter Kremer zuständig für den Einkauf und präsentiert Gestecke.

LÜDENSCHEID ▪ Silberne Putten, Schriftrollen mit eingeprägtem „Ich vermisse dich“, Herzen mit der Inschrift „Wir werden euch nie vergessen“ – diese Art von Grabschmuck für Allerheiligen und den anstehenden Totensonntag wird derzeit zum Kauf angeboten. Von Maike Förster

„Es ist fraglich, ob wir uns diesem Trend noch lange versperren können“, sagt Reinhard Deiters, Mitarbeiter des Gartencenters Cordt. Deiters ist zuständig für den Einkauf – und deshalb bestens im Bilde, was der Markt in Sachen Grabschmuck zu bieten hat. „Fertiggestecke, Putten, Schriftrollen – es gibt alles. Und die Menschen wollen diese Massenware auch kaufen. Individualität ist immer weniger gefragt“, beschreibt Deiters das Kaufverhalten der Kunden.

Für seinen eigenen Geschmack seien Putten, Schriftrollen und beschriftete Herzen zu kitschig – aber die Geschmäcker seien verschieden, fügt der Gartencenter-Mitarbeiter hinzu. Und erinnert sich dann, dass vor zehn bis 15 Jahren in Sachen Grabschmuck noch mehr individuelle Kundenwünsche an die Floristen herangetragen wurden: „Da haben wir Gestecke noch als Einzelstücke gestaltet. Das machte 60 Prozent des Geschäfts mit der Grabgestaltung aus.“ Heute gehe zu 80 Prozent Massenwaren über den Ladentisch, wenn Allerheiligen und Totensonntag näher rücken.

Eines fällt jedoch auf, wenn man aufmerksam durch das Gartencenter Cordt wandert: Gestecke und Grableuchten sind im Außenbereich zu finden. Putten, Herzen und Schriftrollen hingegen sind auf einem separaten Tisch in Kassennähe platziert. Deiters erklärt: „Wir wollen den Trend hin zu diesen Artikeln nicht unbedingt forcieren. Deshalb halten wir diese Dinge auseinander.“

Manchmal habe ein Kunde jedoch auch heute noch sehr individuelle Wünsche, weiß Reinhard Deiters‘ Kollegin Anna Wermeyer aus aktueller Erfahrung. „Eine Kundin fragte mich kürzlich, ob die geschnitzten Dekowildschweine wetterfest seien. Als wir das geklärt hatten, erzählte sie, dass ihr verstorbener Mann ein passionierter Jäger gewesen sei und sie das Schwein auf sein Grab stellen wolle.“

Ein Gegengewicht gegen Massenware bietet auch die Grabschmuck-Ausstellung im Gartencenter Kremer. Hier werden neben Fertiggestecken und bepflanzten Grabschalen auch die einzelnen Bestandteile für den Grabschmuck angeboten. „Unsere Kunden basteln und gestalten offenbar gerne noch selbst“, erzählt Abteilungsleiter Michael Milz. Diese Einschätzung teilt auch seine Kollegin Nina Dotzauer. „Wir verkaufen Mohn, Zapfen, Moss, Schafgarbe, Silberdisteln und vieles mehr“, erklärt die passionierte Floristin mit einem Blick auf die üppigen Angebote in Sachen Trockenmaterialien.

In mehreren Kisten finden sich auch im Gartencenter Kremer Putten, Herzen und Schriftrollen. „Die kaufen die Kunden als kleinen Dekobestandteil für Gestecke und Schalen. Einzeln legen es nach meiner Einschätzung aber nur wenige Menschen auf das Grab ihrer Lieben“, erzählt Nina Dotzauer. Es stecke immer eine tiefere Bedeutung hinter dem Grabschmuck, die Gestaltung komme von Herzen, so Dotzauer.

Um diese Form der Individualität auch für Kunden zu bieten, die nicht selbst Hand anlegen wollen, bietet das Gartencenter Kremer den Service, mitgebrachte Schalen nach Wunsch zu bepflanzen und Gestecke nach Kundenideen herzustellen. „Das macht uns natürlich am meisten Spaß“, sagt Nina Dotzauer.

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