Gratis-Angebote auch für MVG kein Tabuthema

LÜDENSCHEID - Ein kostenloses Bus-Angebot gab es in Lüdenscheid schon einmal: Über Jahre konnten MVG-Fahrgäste im Advent etwa vom Parkplatz der Hohen Steinert aus gratis im Shuttle-Bus im 15-Minuten-Takt in die Lüdenscheider Innenstadt fahren. Für die Weihnachtseinkäufe gab es einen Gepäckservice, für Wartezeiten aufs Shuttle stand ein beheizter Wagen zur Verfügung. Ergebnis: Mangels Nachfrage stellte die MVG das Angebot wieder ein.

Ein wichtiger Grund für dieses Scheitern der Adventsbusse war für die MVG das zeitgleiche Angebot, in der Innenstadt kostenlos parken zu können. „Damit hatten wir keine Chance mehr“, erinnerte sich MVG-Prokurist Peter Bökenkötter gestern. Dieses Problem gibt es laut Pressesprecher Jochen Sulies bis heute: „So lange es so einfach bleibt, mit dem Auto fast bis an die Ladentheke zu fahren, brauchen wir uns über auch über Gratis-Busangebote nicht zu unterhalten.“ Zumal zwar viele Menschen heute umweltbewusst seien, ihr Verhalten, möglichst viele Wege mit dem Auto zu erledigen, deswegen aber noch nicht veränderten.

Die Anregung, das Thema der Gratis-Busse neu zu diskutieren, hatte bekanntlich die Lüdenscheider SPD im Hauptausschuss aufgebracht, Fraktionschef Ingo Diller nahm es in seiner Etatrede am Montag als Vision nochmals auf.

Die MVG-Verantwortlichen stehen der Idee einer Einführung solcher Angebote durchaus positiv gegenüber – so lange sie Zug um Zug erfolgt, für die jeweilige Stadt bezahlbar bleibt und nicht mit dem bestehenden Tarifnetz kollidiert, in das die MVG überregional eingebunden ist. Das sind hohe Hürden, aber die Frage, ob das auch K.o.-Kriterien sind, ist damit auch für die Experten noch keineswegs beantwortet: „Man könnte mit Einzelmaßnahmen wie Shuttle-Strecken von zwei oder drei Parkplätzen in die Stadt, eine punktuelle Subventionierung von Pauschalangeboten oder von Kurzstreckentickets durchaus auch vor Ort anfangen“, sagte Peter Bökenkötter. Ein „modulares System“ müsse die Möglichkeit bieten, überschaubare Projekte auszuprobieren, um zu sehen, ob sie handhabbar und finanzierbar sind. Falls nicht, müssten sie im Einzelfall auch wieder zurückgezogen werden können.

Die MVG jedenfalls würde solche Ideen unvoreingenommen prüfen: „Wir sind da kein Bremsklotz, aber die Machbarkeit muss gegeben sein. Und wir müssen heute mit den Erträgen arbeiten, die wir erwirtschaften.“

Die wichtigste Voraussetzung für solche Projekte – neben dem Einverständnis von Aufsichtsrat und Aufgabenträger – sehen Bökenkötter und Sulies indes in der stärkeren Reglementierung des Autoverkehrs in der Innenstadt. „In der belgischen Stadt Hasselt, die als Vorbild für die Förderung des öffentlichen Nahverkehrs gilt, wurden in der Innenstadt 800 Parkplätze gestrichen“, erinnerte Sulies. Die übrigen Stellplätze wurden verteuert, die Zusatzeinnahmen flossen in den Busverkehr.

In Lüdenscheid dagegen wird bekanntlich gerade über neue Parkhäuser diskutiert: den Neubau der Parkpalette Corneliusstraße und den Bau eines Parkhauses für die Denkfabrik am Bahnhof.

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