173 Gramm Marihuana und 1110 Euro: Bewährungsstrafe

Lüdenscheid - 173 Gramm Marihuana und 1110 Euro Bargeld brachten zwei 23-Jährigen vor dem Amtsgericht eine Verurteilung ein: Wegen unerlaubten Handels mit Betäubungsmitteln waren jeweils neun Monate auf Bewährung und 100 Sozialstunden fällig.

Wer ungestört mit Drogen zu handeln wünscht, sollte nicht viel Getöse machen: „Es war sehr unruhig auf der Straße“, erinnerte sich ein 79-jähriger Bewohner der Kluse gestern im Amtsgericht Lüdenscheid an Jugendliche mit Hellas-Fahne und Turnschuhen. Dazu kam ein Fahrzeug mit Hagener Kennzeichen, und schon war der Verdacht rund, den der ältere Herr auf der Stadtteilkonferenz am 24. September 2014 auch aussprach: Drogenhandel. Damit behielt er tatsächlich Recht: Als die Polizei Anfang Februar bei den Verdächtigen klingelte, warfen die eilig eine Sporttasche mit immerhin 173 Gramm Marihuana in den Garten, die kurz darauf sichergestellt wurde. In der Wohnung fanden die Beamten 1110 Euro, was den Verdacht erhärtete.

Zwei 23-Jährige mussten sich gestern wegen dieser Funde vor dem Schöffengericht verantworten. Sie waren geständig, trugen aber ihre ganz eigene Geschichte zu den Fakten vor: Ja, er habe mit Marihuana gehandelt, gab einer von ihnen an. Allerdings hätten ihm nur rund 40 Gramm der gefundenen Menge gehört. Damit wäre er unter die strafrechtlich bedeutsame Grenze zur nicht-geringen Menge gerutscht. Sein Komplize nahm den größten Teil der gefundenen Menge auf seine Kappe, wollte aber nie mit dem Stoff gehandelt haben. Das stieß auf große Skepsis beim Gericht und beim Staatsanwalt, weil Marihuana frisch sein sollte, wenn es wirken soll. Und es dauert auch bei Intensiv-Konsumenten eine Weile, bis 130 Gramm verbraucht sind. Interessant waren die Geschichten über die Herkunft und die Bezahlung des Marihuanas: Das Geld für den Ankauf hätten sie bei recht erfolgreichen Sportwetten gewonnen, trugen die Angeklagten vor. Mit 700 Euro seien sie dann zu einem Ort gefahren, der bisher vor allem als Metropole des Weltfußballs bekannt war: der Borsigplatz in Dortmund – jener Ort, an dem Jürgen Klopp so gerne noch einmal gefeiert hätte.

Das Schöffengericht ignorierte bei seiner Entscheidung die Vorschläge, die die beiden Angeklagten bezüglich der Besitzverhältnisse des Marihuanas gemacht hatten und verurteilte die 23-Jährigen wegen unerlaubten Handels mit Betäubungsmitteln zu jeweils neun Monaten auf Bewährung. Als Auflage muss jeder von ihnen 100 Sozialstunden ableisten. Die Menge geteilt durch zwei reichte aufgrund des ordentlichen Wirkstoffgehalts des Stoffes für zwei Verurteilungen wegen Handels mit einer nicht geringen Menge. Mindeststrafe: ein Jahr. Doch das Gericht ging von einem minderschweren Fall aus, weil die „weiche Droge“ nicht in Umlauf gelangt war.

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