Cannabis-Plantage in ehemaligem Baumarkt

1,5 Gramm Koks täglich: „Ich habe mich gefühlt wie Rambo“

Cannabis Plantage Polizei
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In einem ehemaligen Baumarkt stellten Ermittler mehr als 400 Cannabis-Pflanzen sicher.

Im Strafprozess gegen drei Männer wegen vielfacher Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz hat der psychiatrische Gutachter seine Erkenntnisse mit dem Gericht geteilt. Es sind teils traurige Schicksale, von denen er berichtet.

Lüdenscheid – In der letzten Phase des Strafprozesses deuten sich Verzögerungen an. Der Hauptangeklagte will keine Angaben zu seinem Lebenslauf machen. Sein Verteidiger Baris Gültekin kündigt stattdessen „eine Verschriftlichung“ der Biographie seines Mandanten an. Den Inhalt will er zum nächsten Termin am 3. März vortragen. Trotzdem bekommt die Kammer einen Einblick in den Werdegang aller drei Angeklagten.

Der psychiatrische Sachverständige Dr. Nikolaus Grünherz hat den 45-jährigen Mietwagenunternehmer untersucht. Der Gutachter zeichnet das Bild eines kokain- und spielsüchtigen Mannes, der von sich behauptet: „Ohne diesen Konsum hätte ich die Straftaten nicht begangen.“

Gelegentlich einen Whisky oder Ouzo, probehalber mal etwa Cannabis, das war noch kein Problem. Doch als er merkte, wie „Koks“ wirkt – „Ich habe mich gefühlt wie Rambo“ – , stiegen die täglichen Dosen. Zuletzt nach eigenen Angaben bis zu 1,5 Gramm täglich.

Hoher Berg an Schulden

Die Angewohnheit, immer wieder Geld in Glücksspielautomaten zu versenken, bezeichnete der 45-Jährige laut Grünherz als „Katastrophe“. Um die 300 Euro pro Besuch verschwanden in den Münzschlitzen, „vereinzelt sogar bis zu 1000 Euro am Tag“. Der Schuldenberg türmte sich auf zuletzt etwa 60 000 Euro auf. Noch jetzt, in U-Haft, höre er Geräusche, „die mich an Spielautomaten erinnern“, habe der Angeklagte berichtet. Trotzdem: Der Gutachter bescheinigt dem finster dreinblickenden Mann aus Syrien volle Schuldfähigkeit. Weder Einsichts- noch Steuerungsfähigkeit seien im Tatzeitraum beeinträchtigt gewesen.

Probleme ganz anderer Art hat der Landsmann (21) und mutmaßliche Komplize des Hauptangeklagten. Eine Sozialarbeiterin der Jugendgerichtshilfe berichtet über die Odyssee des unbegleiteten Flüchtlings, dessen Kindheit von Krieg und Gräueltaten des sogenannten IS geprägt gewesen sei. Trotz vielfacher Bemühungen von Verwandten im Sauerland, Jugendämtern, Schulen oder sozialen Einrichtungen offenbart er laut Jugendgerichtshilfe schädliche Neigungen.

Zwei Verfahren, unter anderem wegen räuberischer Erpressung und Körperverletzung, seien noch offen. „Er ist mit großen Hoffnungen und Plänen nach Deutschland gekommen. Aber mit Beginn des Drogenkonsums wurde seine Lage immer schwieriger.“ Die Tatsache, dass er weder schreiben noch lesen kann, weder auf Arabisch noch auf Deutsch, stehe seinem Berufswunsch, Automechaniker, im Weg.

Der Lebensweg des Mannes (55), der zugegeben hat, die Cannabis-Plantage in einem leer stehenden Baumarkt in der Innenstadt aufgebaut und betrieben zu haben, stellt sich als Ansammlung von Straftaten und Gefängnisaufenthalten dar. Mit 16 steht er erstmals vor Gericht, damals wegen Unfallflucht und Fahrens ohne Fahrerlaubnis. Es kommen Diebstähle, Einbrüche, weitere Verkehrsdelikte, Betrügereien und Erpressung hinzu. Die Strafen verlängern sich von Mal zu Mal: 22 Monate, vier Jahre, fünf Jahre und neun Monate – und zuletzt, 2001, wegen schwerer räuberischer Erpressung und sechs Diebstählen zwölfeinhalb Jahre Knast.

Termin

Der Prozess wird am 3. März um 9.30 Uhr im Saal 201 des Landgerichts fortgesetzt.

Der Fall

Zwei Lüdenscheider und ein Plettenberger sind wegen vielfacher Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz angeklagt. Dabei geht es um den Schmuggel harter Drogen aus den Niederlanden, deren Weiterverkauf sowie den Anbau einer großen Cannabis-Plantage in einem ehemaligen Baumarkt. Zwei der drei Angeklagten sollen außerdem einen Mann schwer misshandelt und ausgeraubt haben. 

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