Grabsteine aus Kinderarbeit: Stadt will mehr Schutz

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Künftig muss in Lüdenscheid nachgewiesen werden, dass Grabsteine ohne Kinderarbeit entstanden sind.

Lüdenscheid - Die Blöcke der Grabmale für Lüdenscheider Friedhöfe dürfen nicht von ausgebeuteten Kindern in indischen Steinbrüchen gehauen worden sein. Dies müssen heimische Steinmetze bald mit einem Zertifikat aus dem Herkunftsland nachweisen.

Von Nathalie Neuhaus

Mit diesem Vorschlag zur Änderung der Friedhofssatzung will die Verwaltung jetzt einer Konvention der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) gegen Kinderarbeit entsprechen. Die Vorgabe soll auch für Einfassungen und Grabausstattung gelten.

Den Beschlussvorschlag des Stadtreinigungs-, Transport- und Baubetriebs Lüdenscheid (STL) berät der Werksausschuss am Donnerstag öffentlich ab 17 Uhr im Sitzungsraum des STL am Fuhrpark.

Die ILO-Konvention fordert „wirksame Maßnahmen gegen schlimme Formen der Kinderarbeit“. Doch laut STL stammen zwei Drittel aller in Deutschland aufgestellten Grabsteine aus Indien, und dort sei ausbeuterische Kinderarbeit in Steinbrüchen noch weit verbreitet.

Die ILO-Konvention, die 2000 in Kraft trat, wird bundesweit seit Jahren umgesetzt. Nicht betroffen vom Nachweiszwang sind Produkte, die aus EU-Ländern oder der Schweiz stammen. Für Steine, die in anderen Ländern hergestellt oder bearbeitet wurden, sind Nachweise anerkannter Stellen im Produktionsland vorzulegen.

Schon heute müssen Steinmetze der Stadt mitteilen, aus welchen Materialien die Grabausstattung besteht und woher sie stammt. Jetzt soll die Nachweispflicht durch das Zertifikat hinzukommen.

Ein weiteres Thema im STL-Werksausschuss ist die geplante Erhöhung der Friedhofsgebühren zum Jahresbeginn um durchschnittlich 6,6 Prozent. Dabei wirkt sich die Erhöhung auf die einzelnen angebotenen Leistungen allerdings unterschiedlich aus.

Nach dem wertsteigernden Umbau der Trauerhalle, so der STL, soll auch die Nutzungsgebühr um 11,6 Prozent ansteigen. Durch den Umbau seien mehr Sitzplätze geschaffen worden, auch die Sanitäranlagen wurden modernisiert. Folglich soll die Benutzung künftig 250 statt heute 224,05 Euro kosten.

Die Gebühr für die Nutzung der Leichenkammer hingegen soll mit 79,53 Euro konstant bleiben. Auch bei anderen Leistungen wie der Überlassung von Grabstätten sollen die Gebühren nahezu stabil bleiben. Hier sind Erhöhungen um durchschnittlich 0,2 Prozent vorgesehen.

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