Goldener Meisterbrief für Hans-Joachim Schapals

Lüdenscheid - Wenn der alte Handwerker seinen Goldenen Meisterbrief überreicht bekommt, ist er in der Regel längst Pensionär. Metzgermeister Hans-Joachim Schapals hat heute vor 50 Jahren seine Meisterprüfung bestanden – und steht mit seinen 72 Jahren an sieben Tagen pro Woche in seinem Geschäft. Und lächelt: „Es macht mir immer noch Spaß.“

Als er mit 22 Jahren als wohl jüngster Metzgermeister Lüdenscheids aus Frankfurt – „Das war die beste Schule Deutschlands“ – in die Fleischerei seines Pflegevaters Paul Hasprich am Bräucken zurückkehrte, war Schapals’ Weg vorgezeichnet. Damals schlachteten die Metzger noch selbst, die Tiere kamen meist von Bauern aus der Gegend und warteten auf dem Viehmarkt unterhalb des Schlachthofs auf ihr Ende.

Mit der Übernahme des Geschäfts im November ‘67 und dem baldigen Umzug zur Kalve avancierte die Metzgerei Schapals zu einer der beliebtesten Adressen der Stadt, nicht nur für Grillfreunde und Hobbyköche. Eine große Stammkundschaft, darunter Polizisten, Feuerwehrleute oder Krankentransporter, aber auch Vereinsfunktionäre schätzen den Metzgerladen wegen der Qualität der Waren und das fast freundschaftliche Klima hinter der Theke.

Durch Anbauten und Modernisierung des vormals mütterlichen Anwesens an der Kalver Straße bauten Hans-Joachim und seine Irene ihr Unternehmen kontinuierlich aus, erwarben stapelweise Zertifikate für ihre Wurst- und Schinkenspezialitäten und sorgten dafür, dass ihr Name in der Kreisstadt zu einer Marke wurde.

Ans Aufhören denkt der Meister noch nicht – sagt er. Und lacht. „Die Kraft lässt nicht nach. Und seit ich meine künstlichen Kniegelenke habe, geht’s doppelt so gut.“ Trotzdem: Sollte der Chef irgendwann aufhören, ist die Nachfolge schon gesichert. Enkelsohn Julian Schapals hat in diesem Jahr sein Abitur erworben und seine Metzgerlehre beim Opa begonnen. Der freut sich. „Dann will ich ihn noch studieren lassen, Betriebswirt des Handwerks – und dann soll er bloß zusehen, dass er die richtige Frau für das Geschäft findet.“

Wie das geht, hat ihm der Opa ja vorgemacht. „Ohne meine Irene wäre das alles nicht möglich gewesen.“

Von Olaf Moos

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