Polizistin geschlagen - sechs Monate Bewährung

LÜDENSCHEID ▪ Am liebsten würde er sein Leben komplett in fremde Hände legen. Es ist sowieso nicht mehr viel übrig. Strafrichter Thomas Kabus erfüllt dem elffach vorbestraften, drogen- und alkoholsüchtigen Dauerarbeitslosen (31) den Wunsch. Das Ergebnis: sechs Monate, letztmalig Bewährung, stationäre Entzugstherapie, rechtliche Betreuung, ein Dasein fast ohne Selbstbestimmung. Der Verurteilte ballt strahlend die Fäuste. „Glück“ gehabt!

Schon als Kind hatte der in Markkleeberg, südlich von Leipzig, Geborene keine Chance auf ein normales Leben. Im DDR-Regime landete er als Fünfjähriger, von der Mutter verstoßen, im Kinderheim, erlebte die Wende als Eingesperrter, blieb es bis 21 – und begann dann, schwarz zu fahren. Fünf Verurteilungen wegen Erschleichens von Leistungen, dazu Diebstähle, Sachbeschädigung, Körperverletzung, immer Geldstrafen, Bewährung, einmal für sechs Monate im Knast. Als ob das alles nicht schlimm genug wäre, kommen Alkoholexzesse und Drogenmissbrauch hinzu. Das Drama endet in einer massiven Psychose und unkontrollierten Gewaltausbrüchen.

Dass er mit einem Kumpel im Toom-Markt Schnaps für mehr als 100 Euro kauft und mit seiner Scheckkarte bezahlt, ohne Geld auf dem Konto, fällt kaum ins Gewicht. Dass er Mitte Juli eine Polizistin schlägt, so dass sie zu Boden stürzt und eine schwere Gehirnerschütterung erleidet, wiegt schon schwerer. Verteidiger Frank-Peter Rüggeberg schafft es mühelos, den Richter von der verminderten Schuldfähigkeit seines Mandanten zu überzeugen.

Die Polizistin will versuchen, Schmerzensgeld zu erstreiten. Von einem Mann mit leeren Taschen. Rüggeberg: „Aber sonst ist er nett.“

Olaf Moos

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