Glosse: Das Märchen vom diabolischen Dänen

Es war einmal eine kleine Stadt im Sauerland. In dieser Stadt wollten viele Parteien nur das Allerbeste für die Bürger. Eine Partei aber war noch ganz doll besorgter darum, dass es dem Volk gut ging: die Linkszweidreipartei. Stets war sie zur Stelle, wenn Unrecht drohte.

Und so begab es sich eines Tages, dass der Krankenfahrdienst im Städtchen neu vergeben werden musste. Die furchtlosen Ritter des Johanniter-Ordens und die wackeren Mannen vom Roten Kreuze hatten das bisher erledigt. Nun aber gab es plötzlich einen anderen Anbieter, der die maladen Lüdenscheider gern von Zuhause ins Hospital fahren wollte, denn damit war recht fein Geld zu verdienen. Dieser Anbieter saß hinter den sieben Bergen im fernen, dunklen Lande Dänemark. Und siehe da: Er machte den Stadt-Oberen im Rathause ein so unwiderstehliches Angebot, dass sie beherzt zugriffen. Die Ritter und Rotkreuzler guckten nun erst in die Röhre und dann reichlich dumm aus der Wäsche. Sie hatten ganz einfach zu viele Taler für ihre selbstlosen Fahrdienste haben wollen.

Dies alles aber, so dachte sich flugs die Linkszweidreipartei, kann ja gar nicht mit rechten Dingen zugegangen sein. Wie, so fragten sich ihre Nachdenk-Beauftragten Fili und Skowi, wollen die Dänen das denn machen – so günstige Maladen-Taxis, wo doch Ritter und Kreuzler viel teurer waren? Und in einer Zusammenkunft der Stadt-Oberen raunten sie: „Das muss Hexenwerk sein! Der üble Däne entlöhnt seine Knechte sicher ganz schlecht! Und er wird auch keinen der Ritter- oder Kreuzlerknechte in seine Dienste nehmen, die dann nicht mehr wissen werden, wovon sie ihre Frauen und der Kinder hungrige Schar nähren sollen.“

Dies beeindruckte die Stadtväter gar sehr. Und in Windeseile beschlossen sie: Dem Dänen, diesem unmenschlichen Schuft, werden wir den Auftrag so schnell wie möglich wieder wegnehmen!

Der Däne und andere, die noch des Denkens fähig waren, rieben sich derweil allerdings verwundert die Augen. Hatte irgendjemand von der Linkszweidreipartei oder gar aus dem Rathaus mal mit ihm gesprochen? Hatte ihn jemand gefragt, ob das denn stimme mit der schlechten Entlohnung und den brotlosen Knechten? Er nämlich wollte ja durchaus die bisherigen Knechte in seine Dienste nehmen. Und Dänen lügen ja bekanntlich nicht.

Nun schämten sich die Stadtväter sehr ob ihrer unüberlegten Entscheidung, dem Nordmann den Laufpass zu geben. Sie baten ihn um Verzeihung und machten alles geschwind rückgängig. „Wir waren dumm und ließen uns von der fiesen Linkszweidreipartei aufs Glatteis führen“, riefen sie zerknirscht aus. „Macht nichts! Hauptsache, man steht zu seinen Fehlern und macht den Schaden wieder gut!“, schallte es aus dem Volke. Dankbar seufzten die Oberen auf. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann bereuen sie noch heute. - Willy Finke

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare