Neuer Eigentümer für ehemalige Problem-Immobilie

Glasfassade und Supermarkt fürs Sauerland-Center: Das plant der Investor

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Musa Arisoy stellte am Mittwoch seine Pläne für das Sauerland-Center vor. 

Lüdenscheid – Musa Arisoy ist der Mann, der das Sauerland-Center gekauft hat. Der Projektentwickler aus Lüdenscheid stellte am Mittwoch seine Pläne für das weitgehend leerstehende Hochhaus am Sauerfeld vor.

  • Das Sauerland-Center in Lüdenscheid hat einen neuen Eigentümer.
  • Neben dem bereits feststehenden Jobcenter sollen weitere Mieter einziehen.
  • Eine Glasfassade soll der einstigen Problem-Immobilie neuen Glanz verleihen.

Der 39-Jährige macht deutlich: Halbe Sachen gibt es mit ihm nicht. Er strebt eine Vollvermietung der 8.400 Quadratmeter Fläche im Sauerland-Center an. Bürgermeister Dieter Dzewas und Fachbereichsleiter Martin Bärwolf erhoffen sich eine Signalwirkung für die Innenstadtentwicklung

Die Nachricht vom Verkauf des Sauerland-Centers schlug am Samstag ein wie eine Bombe. Bestätigt wurde zunächst, dass das Jobcenter in den 40,5 Meter hohen Turm ziehen wird und dort einen langfristigen Mietvertrag unterschrieben hat. Mehr als 80 Mitarbeiter wechseln demnach Anfang 2021 vom bisherigen Standort am Christine-Schnur-Weg ins Hochhaus. 

Baubeginn im Sauerland-Center schon in der kommenden Woche geplant

Am Mittwoch reichte Musa Arisoy im Rathaus den Bauantrag für den Umbau der Etagen zwei bis neun ein. Die Fläche von 3.600 Quadratmetern soll demnach komplett entkernt werden. Bereits in der kommenden Woche werden – so der Zeitplan – die ersten Arbeiter anrücken. Alle Einbauten und Rigips-Wände müssen raus. Nur die tragenden Wände bleiben stehen. 

Neue Schallschutz-Fenster und neue Aufzüge für ehemalige Problem-Immobilie

Anschließend werden neue Büros und Aufenthaltsräume gemäß den Anforderungen des Jobcenters in Trockenbauweise hergerichtet. Auch die alten Fenster des 1972 gebauten Sauerland-Centers verschwinden und werden durch neue Schallschutz-Fenster ersetzt. Zudem werden die Aufzüge erneuert. 

Die mit PCB belasteten Fugen an der Fassade werden saniert. „Wir wollen die nächsten 30 Jahre Ruhe haben“, sagt Arisoy, der nach eigenen Angaben zusätzlich zum Kaufpreis einen siebenstelligen Euro-Betrag in die Sanierung stecken will. In sechs bis acht Monaten soll der Innenausbau fertig sein. 

Investor plant Bistro, Café oder Restaurant im ersten Obergeschoss

Mit dem Ankermieter Jobcenter – getragen von Agentur für Arbeit und Märkischem Kreis – weiß der Projektentwickler einen solventen Partner langfristig an seiner Seite. Das ist für Musa Arisoy aber nur der erste Schritt zur Revitalisierung des gesamten Gebäudes. Im ersten Obergeschoss soll nach den Plänen des Investors ein Bistro, Restaurant oder Café einziehen, direkt daneben ein Radiologiezentrum. Für beide Vorhaben habe er bereits Interessenten an der Hand und erste Verhandlungen geführt, sagt Musa Arisoy.

Stadt Lüdenscheid könnte ein möglicher Mieter von Büroflächen werden

Im Erdgeschoss warten noch einmal 1.800 Quadratmeter Büroflächen auf einen neuen Mieter. Dass die Stadt selbst einspringt, schließt Bürgermeister Dieter Dzewas nicht kategorisch aus. „Wir werden uns das vorurteilsfrei angucken“, sagt Dzewas. Die Stadtverwaltung benötigt mehr als 2.000 Quadratmeter an zusätzlichen Büros. 

Lebensmittelmarkt-Pläne: Kontakte zu namhaften Handelsketten

Herzstück im Untergeschoss soll die Ansiedlung eines Lebensmittelmarktes werden. 828 Quadratmeter stehen auf der ehemaligen Deschauer-Fläche für den Verkauf zur Verfügung. Namhafte Einzelhandelsketten hätten bereits Interesse bekundet, sagt Musa Arisoy. Laut Bürgermeister Dieter Dzewas werde mit dem Supermarkt auch eine Lücke in der Nahversorgung für den Stadtteil geschlossen.

Bestehende Mietverträge gingen mit dem Kauf auf den neuen Eigentümer über

Die bestehenden Mietverträge mit einem Spielhallen-Betreiber, den Mobilfunkanbietern, die ihre Masten auf dem Dach des Gebäudes aufgestellt haben, sowie den Mietern der Tiefgaragenparkplätze gingen mit dem Kauf auf den neuen Eigentümer über und werden weitergeführt. 

Kaufverhandlungen im Dezember 2019 in Kopenhagen

Das Sauerland-Center war seit Mitte der 1990er-Jahre im Besitz eines Immobilienfonds, der vom dänischen Immobilienunternehmen Agat Ejendomme geführt wird. Anfang Dezember flog Arisoy zu den Verkaufsverhandlungen nach Kopenhagen. „Wir sind uns schnell handelseinig geworden“, sagt der Investor. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Neuer Eigentümer ist formal die Tecon GmbH mit Sitz in Lüdenscheid

Den Buchwert der Lüdenscheider Immobilie hatte Agat Ejendomme in der Halbjahresbilanz 2019 auf 13,2 Millionen dänische Kronen (1,77 Millionen Euro) taxiert. Sie stand zuletzt zum Verkauf.

Neuer Eigentümer ist die Tecon GmbH, in der Musa Arisoy als Geschäftsführer und Alleingesellschafter fungiert. Erstmals in seiner fast 50-jährigen Geschichte ist das Sauerland-Center damit in Lüdenscheider Hand.

Stadtverwaltung sagt volle Unterstützung bei der Umsetzung der Pläne zu

„Ich freue mich, dass ein Lüdenscheider Unternehmer den Mut hat, diese Immobilie, an der sich in der Vergangenheit andere verhoben haben, zu entwickeln. Die gingen aber auch nicht mit so viel Verve an die Sache heran wie Herr Arisoy“, merkt Bürgermeister Dieter Dzewas an. 

Die Stadtverwaltung habe dem Investor die volle Unterstützung zugesagt. Die angestoßene Revitalisierung des Sauerland-Centers zeige, so Dzewas, dass „diejenigen nicht Recht haben, dass in dieser Stadt gar nichts passiert.“ 

Glasfassade für den Turm soll ein optisches Highlight werden

Als optisches Highlight will Musa Arisoy die stadtbildprägende Landmarke neu inszenieren. So soll die bestehende blaue Pfosten-Riegel-Konstruktion künftig die unteren Etagen komplett ummanteln. Der Turm erhält anschließend in derselben Bauart eine neue Glasfassade. Favorisiert wird ein moderner Anthrazit- oder Grauton. Eine Farbe schloss der bekennende BVB-Fan Dieter Dzewas mit Blick auf den Ruhrpott-Rivalen Schalke 04 allerdings schon aus: „Weiß“.

Sauerland-Center immer wieder Gesprächsthema

Als ich Jahr 2017 heftige Windböen Lüdenscheid heimsuchten, zerbrach in einem leerstehenden Ladenlokal im Sauerland-Centers eine große Glasscheibe.

Im Jahr 2016 existierten Pläne, Flüchtlinge im Sauerland-Center unterzubringen. Daraus wurde schließlich aus bestimmten Gründen nichts.

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