BGL-Schüler zeigten „Die Befristeten“

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Das Ensemble „bretterhaus“ des Bergstadtgymnasiums zeigte im Kulturhaus „Die Befristeten“.

Lüdenscheid - Das BGL-„bretterhaus“-Ensemble setzte am Mittwochabend das gedankliche Experiment des Schriftsteller Elias Canetti, „Die Befristeten“, für die Bühne um.

Monatelang studierten die Schüler ein Stück um Massenphänomene und Macht ein und wurden mit stehenden Ovationen eines dankbaren Publikums für ihr Engagement belohnt.

Ausgestoßen wird, wer den „Augenblick“ angreift. Geächtet, wer infrage stellt, dass die Stunde des Todes schon bei der Geburt feststeht. Wer die Fundamente des Systems ins Wanken bringt, indem er zweifelt.

Constanze Czimmeck fiel im Kulturhaus die Rolle der Zweiflerin zu. Als „50“, denn Namen sind dem zu erreichenden Alter gewichen, beginnt sie in Elias Canettis Drama „Die Befristeten“ ein System zu demontieren, das auf Gehorsam, Gruppenzwang und der Diktatur der Zeit fußt.

Die Schauspieler boten kurze Einblicke in das Leben einer Gesellschaft, die von Geburt an lernt, dass der Todestag vorherbestimmt und unumstößlich ist. Um den Hals tragen die Menschen eine Kapsel mit ihrem Sterbedatum. Fluch oder Segen?

Da ist die Tochter, die weiß, dass die Mutter vor ihr gehen wird. Da ist das Paar, das sich gern lieben möchte, aber ihr Todestag steht bevor. Da ist die Mutter, die ihr Kind mit dem Namen „7“ zu Grabe trägt. Und da ist „50“, die plötzlich aufbegehrt, versucht, die zaudernde Freundin (Leonie Clever) zu überzeugen, dass die Ideologie der Kapselgesellschaft auf Lügen beruht. Die Intention Canettis, einen Moment lang anzuhalten und über Sein und Sterblichkeit nachzudenken, haben die jungen Mimen glänzend in ihr Publikum getragen. Regie führten Julia Pütz, Cornelia Meißner und in der Regieassistenz Gawin Kämper. „Die Befristeten“ wird Donnerstagabend ab 19.30 Uhr noch einmal im Kulturhaus gezeigt. Es gibt noch Karten.

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