Diese Frau bekommt das 12 000-Euro-Stipendium

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Giulia Becker (links) bekommt das MKK-Stipendium im Bereich Literatur, dotiert mit 12 000 Euro.

Lüdenscheid – Giulia Becker heißt die neue Stipendiatin für Literatur der Märkischen Kulturkonferenz. In einer knappen Jury-Entscheidung setzte sie sich nach einer Lesung aus ihrem Roman „Das Leben ist eins der härtesten“ gegen ihre Mitbewerberinnen Katharina Mevissen und Helene Bukowski durch.

Bekannt wurde Giulia Becker als kraftvolle Poetry-Slammerin und als Mitarbeiterin im Autorenteam der ZDF-Satiresendung „Neo Magazin Royale“ mit Jan Böhmermann. „Sie bricht seit Jahren immer mal wieder ihr Medien- und Literaturwissenschaftsstudium in Siegen ab, lebt und arbeitet stattdessen in Köln“, heißt es im Klappentext ihres Romans. Dessen Hauptfigur Silke lernen die Leser in der Bahnhofsmission Borken kennen, wo sie einer immensen Schadensersatzforderung durch die Ableistung von Sozialstunden zu entgehen sucht.

„Silke schmiert Brote, kocht Suppe und Kaffee und hört den Menschen zu; den einsamen, den nervösen, den fröhlichen, den überforderten. Silke ist immer für alle da.“ Entsetzliches ist zu Beginn des Romans ihrer Freundin Renate geschehen: Ihr Malteser-Mischling Mandarine Schatzi ist „in einer Punica-Flasche stecken geblieben und erstickt. Ähnlich atemlos bewegen sich die Schicksale von Giulia Beckers Helden aufeinander zu – in einer schnellen Ästhetik des Gags, tragikomischer Verwicklungen und verblüffender Ausflüge in mehr oder weniger bizarre Realitäten.

Mit am Start sind der Taubenzüchter und Online-Kniffel-Spieler Willy Martin, Renates schwuler Sohn Thorsten, die greise Nachbarin Frau Goebel und der obdachlose Zippel. Mit einem solchen Personal kann man schon einige Buchzeilen gründlich aufmischen.

Giulia Becker trug die Auszüge aus ihrem Roman souverän und unterhaltsam vor und überzeugte damit auch das Publikum, das sie mit nur einer Stimme Rückstand auf dem zweiten Platz sah. In der Gunst der Besucher, die in ihrer Gesamtheit allerdings nur als eine Stimme neben den vier Jurymitgliedern gewertet wurde, lag Helene Bukowski mit ihrem Roman „Milchzähne“ knapp vorn.

Sie erzählt eine finstere Geschichte nach der Apokalypse, eine Dystopie im kleinen Rückzugsort übrig gebliebener Menschen, die mit dem auskommen müssen, was von der Zivilisation übrig geblieben ist. Immerhin gibt es an diesem Ort viele Bücher und ein Kind, das die Heldin Skalde im Wald gefunden und mit nach Hause genommen hat. Helene Bukowski schilderte in ihrer Einführung, wie sich die Heldin in konzentrischen Kreisen aus ihrer kleinen Welt immer mehr hinausbewegt und das entdeckt, was es sonst noch so gibt.

Aufhorchen ließ ihre Bemerkung zu einem Grundproblem des literarischen Schreibens: „Irgendetwas muss passieren, sonst verliert man sich in Beschreibungen.“ Einen interessanten Grundansatz verfolgte auch die dritte im Bunde: In ihrem Roman „Ich kann dich hören“ erzählt Katharina Mevissen die Geschichte des Cellisten Osman Engels und geht dabei der Frage nach, wie man Nicht-Gesprochenes, speziell die Musik, in Worte fassen kann.

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