Mädchen in Männerberufen

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Dominic Pretschack, Azubi bei Hasco, erklärt Linda Hentschel, Schülerin am Geschwister-Scholl-Gymnasium den richtigen Umgang mit einer Feile. ▪

LÜDENSCHEID ▪ Männer stehen auf Fußball und Autos, Frauen auf Shopping und Schmuck: Die Liste der Geschlechterklischees lässt sich beliebig erweitern und wirkt sich auch heute noch oft genug auf die Berufswahl aus. Um eben dieses tradierte Rollenverständnis aufzubrechen, findet seit 2001 bundesweit der Girls´ Day statt, der Mädchen der Klassen 5 bis 10 einmal im Jahr einen Tag lang die Möglichkeit gibt, technische Berufe bei Unternehmen vor Ort kennenzulernen.

Und so versuchten sich auch in Lüdenscheid und Umgebung am gestrigen Donnerstag wieder zahlreiche Mädchen in klassisch männerdominierten Berufen. yourzz.fm schaute ihnen dabei in einigen Betrieben über die Schulter.

Mit Schutzbrillen ausgestattet, ließen sich am Donnerstag zehn junge Frauen durch die Räume der Firma Metoba führen und erhielten einen Einblick in die Welt der Galvanotechnik, der metallischen Beschichtung von Oberflächen, um diese vor Umwelteinflüssen zu schützen und zu verschönern. Diesen Prozess lernten die Schülerinnen auch praktisch kennen, die im Labor chemische Analysen vornahmen und Karabinerhaken vergoldeten. „Viel konnte ich mir darunter nicht vorstellen. Ob der Job etwas für mich ist, weiß ich nicht. Interessant ist es auf jeden Fall“, sagte Jacqueline Mertens (15) von der Adolf-Reichwein-Gesamtschule.

Ein-Tages-Praktikum auf dem Dach

Nele Baratto dagegen trat am Donnerstag für einen Tag in die beruflichen Fußstapfen ihres Opas – und das in luftiger Höhe: Die 14-Jährige, die die achte Klasse der Freien Christlichen Realschule besucht, war mit Dackdeckermeister Franz-Dennis Linnarz auf dem Dach eines Hauses in Brügge im Einsatz. Bleche und Holz zuschneiden, Wärmedämmung anbringen – ein interessanter, aber auch ein sehr anstrengender Job, fand Nele Baratto, die froh über die Erfahrung war und nun aber wisse, dass sie später nicht als Dachdeckerin arbeiten werde.

Beeindruckt von der Kombination aus Kraft und Präzision, über die etwa eine Säulenbohrmaschine verfügt, waren Alicia Zobel und Nelly Richter. „Das ist faszinierend“, waren sich die beiden 14-Jährigen einig, die das Geschwister-Scholl- bzw. das Zeppelin-Gymnasium besuchen und am Donnerstag der Firma Hasco einen Besuch abstatteten. In der Ausbildungswerkstatt des Unternehmens lernten sie gemeinsam mit zwei weiteren Mädchen den Beruf des Feinmechanikers kennen, die Be- und Verarbeitung von Präzisions-Normteilen, die zu Spritzgußwerkzeugen montiert werden. Mit diesen werden hinterher Kunststoffteile in Serie hergestellt. Unter fachmännischer Anleitung der beiden Azubis Dominic Pretschack und Manuel Schwabbauer stellten die jungen Frauen einen Stifthalter her. „Eigentlich hatte ich eher an einen Bürojob für mich gedacht, aber langsam kann ich mir vorstellen, auch in dieser Richtung später etwas zu machen“, war Linda Hentschel (14) vom Geschwister-Scholl-Gymnasium von den Fingerspitzengefühl erfordernden Arbeitsschritten durchaus angetan.

Etwas theoretischer ging es wenige hundert Meter Luftlinie bei B+R Automobile zur Sache. Hier setzten sich vier Mädchen mit dem Beruf des Kfz-Mechatronikers auseinander, schauten zusammen mit dem Angestellten Claude Khozam unter die Hauben diverser Autos und ließen sich die Technologie und Funktionsweise von Hybridautos erklären. Außerdem gab es im Ausstellungsraum einen Crashkurs in Sachen Verkaufsgespräche.

Aktionstag

als Chance

Auch mit Blick auf den erwarteten Fachkräftemangel und die Karrierechancen in technischen Berufen betonten die Unternehmen, dass der Girls´ Day sowohl für Betriebe als auch Schülerinnen eine große und wichtige Chance darstelle. „Aus diesem Grund sollten Schulen und Unternehmen bei dieser Aktion eng zusammenarbeiten“, forderte Andreas Wünsch von Hasco. ▪ Sven Prillwitz und Lisa Rasch

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