Gewaltverzicht und Stärkung - Festakt des Tags der Heimat

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Er symbolisiere nicht nur die Patenschaft, er führe sie auch aus, dankte Peter Großpietsch (r.) Dieter Dzewas, der den Ehrenteller der Grafschaft Glatz erhielt.

Lüdenscheid - „Heimat ist dort, wo unsere Seele zuhause ist“, sprach Brigitta Gottmann, Vorsitzende des Bundes der Vertriebenen, sicherlich im Sinne vieler Gäste, die am Sonntag zum Festakt des Tags der Heimat ins Bürgerforum im Rathaus gekommen waren.

Rosa Weiss ist seit 60 Jahren Mitglied in der Sudetendeutschen Landsmannschaft.

Mehr als 150 Besucher waren der Einladung gefolgt, und sie alle verbindet ein und dieselbe traurige Erinnerung. Der Verlust der früheren Heimat sitzt noch immer tief. Besonders deutlich brachte das Peter Großpietsch zum Ausdruck. Der Vorsitzende der Zentralstelle Stiftung Glatz ließ die Zuhörer an seiner persönlichen Vertreibungsgeschichte teilhaben und betonte, dass viele Kinder das Trauma Vertreibung erlebt haben. „Wir müssen uns um unsere Traumata kümmern, damit wir sie nicht mit ins Grab nehmen“, richtete er einen Appell an die Zuhörer. Vor diesem Hintergrund ist der Leitsatz zum Tag der Heimat „Vertreibungen sind Unrecht. Gestern wir heute“ aktueller denn je. „Gestern, das waren wir. 15 Millionen verloren ihre Heimat. Zwei Millionen verloren ihr Leben auf der Flucht. Heute sind es die unvorstellbar großen Flüchtlingsbewegungen, die wir erleben“, sagte Brigitta Gottmann und rief angesichts der eigenen Erfahrung dazu auf: „Nehmen wir uns der Flüchtlingskinder an.“

Der Bund der Vertriebenen zeichnete Axel Öhm (l.) und Raimund Schulzke zum Dank und zur Anerkennung für ihre hervorragenden Dienste um die deutschen Heimatvertriebenen aus.

Dass ihm der Besuch des Tags der Heimat ein besonderer Anlass ist, machte Bürgermeister Dieter Dzewas in seiner Ansprache deutlich. „Vertreibung und Flucht sind schon immer Themen in der Menschheitsgeschichte gewesen. Und sie waren immer Unrecht.“ Kaum nachvollziehbar sei für ihn die Vorstellung, unter unwürdigen Bedingungen seine Heimat aufgeben zu müssen, ohne zu wissen, gibt es ein Zurück. In Lüdenscheid sei es damals eng geworden – neben den Vertriebenen suchten auch viele Menschen aus dem kriegszerstörten Ruhrgebiet im Sauerland eine neue Zukunft. „Im Nachhinein betrachtet, war das ein Glücksfall für unsere Stadt“, so Dzewas, der sich für die aktuelle Flüchtlings-Herausforderung für mehr Empathie und Gewaltverzicht aussprach. „Es gibt keine Problemlösung durch Gewalt oder Militär“, hob Dzewas die Krisenherde in Libyen, Syrien, den Irak und Afghanistan hervor. Gewaltverzicht und Stärkung der internationalen Institutionen seien die angemessene Reaktionen. In der Bergstadt habe es damals zwar keine Begeisterung gegeben, aber die Menschen seien von der Not gezeichnet zusammengerückt. Dann habe Amors Pfeil ein paar mal zugeschlagen. Die Kinder der Paare haben verstärkt zur Integration beigetragen, fand das Stadtoberhaupt einen augenzwinkernden Abschluss.

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