GEW-Versammlung: Inklusion wirft Fragen auf

Teilnehmer der Diskussion: (v.l.) Anette Kulosa-Regh (GEW-Vorstand Ortsverein Meinerzhagen-Kierspe), Ralf Genzmann (Schulleiter der Schule an der Susannenhöh, Halver und Referent), Wolfgang Lüddecke (2. Vorsitzender GEW-Ortsverband Lüdenscheid) und Silvia Listringhaus (Mitglied im Kollegium der „Schule an der Höh“ in Lüdenscheid).

lüdenscheid  - Die Inklusion sowie die damit verbundenen Probleme und Fragestellungen standen im Mittelpunkt eines Vortrags im Rahmen der Jahreshauptversammlung des Ortsvereins Lüdenscheid der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) im Restaurant Nattenberg.

Als Referent und Gesprächspartner hatte der Vorstand Ralf Genzmann, Sonderpädagoge und Leiter der Schule an der Susannenhöhe in Halver, eingeladen. Unterstützt wurde er von den beiden Sonderpädagogen Anette Kulosa-Regh (GEW-Vorstand des Ortsvereins Meinerzhagen-Kierspe) sowie Silvia Listringhaus vom Kollegium der Schule an der Höh in Lüdenscheid.

„Die Zahl der Schüler an den Förderschulen ist in den letzten Jahren dramatisch zurückgegangen“, erklärte Ralf Genzmann. Die Mindestgrößenverordnung für Förderschulen, so der Referent, werde auf lange Sicht den Trend verstärken, Schülerinnen und Schüler mit den Förderschwerpunkten „Lernen“, „Sprache“ und „Verhalten“ im Zuge der Inklusion in Allgemeinbildenden Schulen zu integrieren.

Für viele Förderschulen in Deutschland wird es deshalb immer schwieriger, die Mindestschülerzahlen vorzuweisen, so dass auf lange Sicht immer mehr derartige Einrichtungen von der Schließung bedroht sind. Die Förderschulen in Lüdenscheid und Iserlohn, dies stellte der Referent klar, können derzeit die notwendigen Mindestschülerzahlen vorweisen und werden deshalb bestehen bleiben.

Obwohl der Gesetzgeber klar zum Ausdruck bringt, dass die Wahlmöglichkeit zwischen der Förderschule und Eingliederung eines Kindes mit Förderschwerpunkten in eine Regelschule bestehen bleiben soll, bangen viele Förderschulen in Deutschland um ihre Existenz. Hierdurch ergeben sich Unsicherheiten insbesondere bei den dort arbeitenden Sonderpädagogen, die nicht wissen, wie es für sie beruflich auf sinnvolle Weise weitergehen kann.

Die drei Referenten sahen an diesem Abend nicht nur die Notwendigkeit, dass die Wahlmöglichkeit bestehen bleibt, um den betroffenen Kindern die für sie beste schulische Betreuung zu bieten. „Auch auf die Allgemeinbildenden Schulen kommen zahlreiche Herausforderungen zu“, betonte Ralf Genzmann. Schließlich habe jedes Kind mit Förderschwerpunkten andere Bedürfnisse, denen die Schule gerecht werden muss.

Deshalb forderten die Pädagogen für die Allgemeinbildenden Schulen unter anderem kleinere Klassen von nicht mehr als 20 Schülern, die mit einem konventionell ausgebildeten Pädagogen und einem Sonderpädagogen besetzt sein sollten.

Auch die aus der Inklusion hervorgehende Mehrfachbelastung vieler Sonderpädagogen, die an mehreren Allgemeinbildenden Schulen tätig sein müssen, wurde angesprochen. „Nicht wenige Sonderpädagogen müssen zwischen zahlreichen Einrichtungen hin- und herpendeln und an sämtlichen Schulkonferenzen teilnehmen“, gab Silvia Listringhaus zu bedenken. Die GEW müsse sich dringend dafür einsetzen, dass für solche Kollegen eine geringere Stundenzahl erreicht wird.

Im Anschluss an den Vortrag wurden im Rahmen der Jahreshauptversammlung zahlreiche Ehrungen vorgenommen, wobei nicht alle Geehrten anwesend sein konnten. Seit 25 Jahren sind Kornelia Kukry, Britta Zeidler und Kristina Gans im GEW-Ortsverein Lüdenscheid aktiv, für 40-jährige Mitgliedschaft erhielten Rolf Breucker, Hans-Henning und Ulrike Langkitsch, Rolf Scholten und Irina Szermerski eine Auszeichnung. Seit 50 Jahren sind schließlich Hans-Peter Habecke und Bernd Kienel Mitglieder in der Gewerkschaft. - bot

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