Aus Freunden wurden Rivalen

Getötete Frau im MK: Mysteriöser Anruf in der Todesnacht

Beziehungstat Hagen Symbolbild
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Am Landgericht Hagen muss sich ein 42-Jähriger Lüdenscheider bereits zum dritten Mal wegen eines Tötungsdeliktes verantworten. (Symbolbild)

Bereits zum dritten Mal muss sich ein 42-jähriger Lüdenscheider vor dem Landgericht Hagen wegen eines Tötungsdeliktes verantworten. In der Tatnacht bekam die Getötete einen mysteriösen Anruf.

Lüdenscheid – Ein 42-jähriger Mann aus Lüdenscheid muss sich derzeit erneut wegen eines Tötungsdeliktes vor einer Schwurgerichtskammer am Landgericht Hagen verantworten. In einem ersten Urteil war er wegen Mordes an einer 44-jährigen Bekannten zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Der Bundesgerichtshof hatte die Verurteilung wegen Mordes aufgehoben.

StadtLüdenscheid
LandkreisMärkischer Kreis
Fläche86,73 km²
Einwohner72.313 (31. Dez. 2019)

Getötete Frau im MK: Mysteriöser Anruf in der Todesnacht - Dreimal zum Landgericht

Der nun laufende Schwurgerichtsprozess gegen den 42-Jährigen soll eine Woche später als geplant – am 16. Dezember – mit den Plädoyers und dem Urteil zu Ende gehen. Grund für den Ersatztermin war die Erkrankung eines Richters. Gestern konnten aber die letzten Zeugen vernommen werden.

Ein 67-jähriger Lüdenscheider griechischer Herkunft musste zum dritten Mal ins Landgericht kommen. Seine erste Aussage machte er im ersten Prozess. In der Neuauflage des Verfahrens bewerteten die Prozessbeteiligten die Leistungen des Dolmetschers als derart unbrauchbar, dass sie den Zeugen ein drittes Mal vorluden. Das trug zur Verdeutlichung dessen bei, was er zu berichten hatte.

Getötete Frau im MK: Mysteriöser Anruf in der Todesnacht - Ein verzweifelter Wunsch

Seiner Aussage kam deshalb besondere Bedeutung zu, weil er offenbar jene Nähe zu der später Getöteten hatte, die sich der Angeklagte verzweifelt wünschte. Der 67-Jährige berichtete, dass er die aus Polen stammende Frau 2013 kennengelernt und bis Sommer 2018 mit ihr zusammengelebt habe. Dann sei sie in ihre eigene Wohnung an der Lohmühlenstraße gezogen. Aus der Beziehung sei eine „Freundschaft“ geworden. „Wir sprachen noch miteinander.“

Den Angeklagten kannte der Zeuge vor allem als Betreiber eines Cafés in Lüdenscheid. Dort arbeitete auch die später Getötete für ein paar Monate. Es war vermutlich die Konkurrenzsituation zwischen den beiden Männern, die ihre ursprünglich „gute Beziehung“ eintrübte. „Der Angeklagte hat mich beschimpft und beleidigt. Daraufhin habe ich den Kontakt zu ihm abgebrochen“, erinnerte sich der Zeuge.

„In sein Café bin ich absichtlich nicht gegangen.“ In der Todesnacht habe der Angeklagte gegen zwei Uhr morgens bei ihm angerufen, um ihm von einem weiteren Besucher bei der 44-Jährigen zu berichten. Der Zeuge brach das merkwürdige Gespräch ab. „Hätte ich mir Sorgen gemacht, wäre ich hingegangen“, versicherte er. Am Tag nach jenem nächtlichen Anruf erfuhr er von ihrem Tod: „Ich war sehr traurig.“

Getötete Frau im MK: Mysteriöser Anruf in der Todesnacht - Affekttat, ja oder nein?

In früheren Vernehmungen hatte der 67-Jährige Zweifel am Geisteszustand des Angeklagten geäußert. Den Hauptgrund dafür lieferten offenbar die hartnäckigen Nachstellungen, mit denen er die 44-Jährige überzogen hatte. Der Angeklagte habe sich „immer“ vor seinem Haus aufgehalten, weil sie bei ihm war. Er habe ihn – auch deshalb – schon immer für verrückt gehalten. „Alle wissen, dass er ein geistiges Problem hat.“

Der Vorsitzende Richter Christian Potthast fasste die zentrale Frage knapp zusammen: „Affekttat – ja oder nein?“ Verteidiger Dirk Löber argumentiert, dass man von einer Affekttat ausgehen müsse, weil der psychiatrische Gutachter Dr. Nikolaus Grünherz diese in seinem Gutachten nicht ausgeschlossen hatte: „Im Zweifel für den Angeklagten.“ In einem ersten Verfahren war der Mann zu einer langen Haftstrafe verurteilt worden.

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